Sport : Kampf der Kulturen

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Stefan Hermanns über den

bedauernswerten Señor Lendoiro

Es soll in Deutschland ja immer noch Fußballfans geben, die Uli Hoeneß, den Manager von Bayern München, für einen unsympathischen Zeitgenossen halten. Sie werfen ihm Arroganz vor und Großmannssucht. Hoeneß entgegnet diesen Leuten, dass er sich für osteuropäische Waisenkinder engagiert und für norddeutsche Chaosklubs, also ein guter Mensch ist. Seine Feinde beeindruckt das wenig, und deshalb haben sie zuletzt mit heimlicher Freude beobachtet, wie Hoeneß in den Verhandlungen um den Wechsel des Stürmers Roy Makaay von La Coruña zu den Bayern offensichtlich seinen Meister fand.

Da wurde Bayerns Manager offenbar von jemandem gelinkt, dem man noch nicht mal trauen würde, wenn er mit einer Kirchenzeitung am Straßenrand steht. Augusto Cesar Lendoiro heißt der Mann. Er ist Präsident von Deportivo La Coruña, und wahrscheinlich hat Señor Lendoiro gedacht, er könne den Bayern nicht nur viel Geld abluchsen, sondern sie auch demütigen. Als das Gezerre um Makaays Transfer endlich ein Ende gefunden zu haben schien, rief Lendoiro seine Hofberichterstatter zu sich und verkündete, dass er die Deutschen richtig über den Tisch gezogen habe: Bis ins Jahr 2007 müssten die sich dumm und dämlich zahlen. Uli Hoeneß war von dieser Volte offenbar so überrascht, dass er seine Zustimmung zu den eigentlich untragbaren Vertragsvereinbarungen damit rechtfertigte, dass Frau Makaay einen so sympathischen Eindruck gemacht habe.

Inzwischen aber haben die Bayern zu sich selbst zurückgefunden. Und zu ihrem Selbstverständnis: Niemand darf sich mit uns anlegen. Und wenn ein verhinderter Gebrauchtwagenhändler wie Señor Lendoiro glaubt, er könne Regeln festlegen, dann drohen wir eben mal mit einer Klage beim obersten Spielleiter, dem Weltfußballverband Fifa. „Es sind Dinge passiert, die werden diesem Herrn noch Leid tun“, hatte Bayerns Vorstandschef KarlHeinz Rummenigge lautstark angekündigt. Auch wenn Hoeneß diese Äußerungen am Dienstagabend relativierte – die Bayern hatten sich die verbale Hoheit über den Transfer zurückerobert.

Augusto Cesar Lendoiro hat sich nach dem Coup mit Makaay aufgeführt wie ein kleiner Taschendieb, der einem Mafiaboss die Brieftasche geklaut hat. Wie solche Geschichten ausgehen, weiß man aus dem Kino.

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