Sport : Kampf hinter dem Korb

Ohne Namenssponsor geht die Basketball-Bundesliga heute in die neue Saison

Benedikt Voigt

Berlin. Neulich erhielt ein Basketball-Fan vom Fernsehsender „Premiere“ eine seltsame Antwort. Er hatte sich per E-Mail erkundigt, ob der Pay-TV-Sender einige Spiele der BBL übertragen werde. Wie auf der Internetseite www.schoenen-dunk.de dokumentiert ist, antwortete der Fernsehsender: „Es ist bis auf weiteres nicht geplant, Spiele der British Basketball League in unser Programm aufzunehmen.“

In Sachen Öffentlichkeitsarbeit gibt es offensichtlich noch einiges zu tun für die deutsche Basketball-Bundesliga BBL. Nicht nur, dass man sie in der „Premiere“-Zuschauerredaktion mit der gleichnamigen britischen Liga verwechselt. Auch bei den Sponsoren scheint die Basketball-Bundesliga noch nicht allzu gut bekannt zu sein. Sonst würde die BBL in die heute startende Saison nicht ohne einen Namenssponsor gehen müssen. Der alte Sponsor s.Oliver hat sich zurückgezogen, Vodafone sagte vor zwei Wochen ab. „Wir verhandeln noch mit vier Interessenten“, sagt Liga-Chef Otto Reintjes. Rund drei Millionen Euro kosten die Rechte als Hauptsponsor. „Die Summe ist aber verhandelbar“, sagt Reintjes. In ihrer Existenz sei die Liga aber nicht bedroht. „Doch wir müssen auf die geplanten Eigenproduktionen von TV-Beiträgen verzichten.“ Auch die Nachwuchsförderung der einzelnen Vereine und die Werbekampagne werden ausgesetzt. Immerhin kam es nicht zum Schlimmsten: Der Fernsehvertrag mit dem DSF, das ab dem 17. Oktober freitags jeweils ein Bundesligaspiel live überträgt, ist gerettet.

Das war nicht selbstverständlich. Der Hauptsponsor war Teil des Vertrages zwischen BBL und DSF. Als die Liga diesen nicht wie vereinbart bis zum 1. Oktober mitbringen konnte, musste in den letzten Tagen neu verhandelt werden. „Es war nicht einfach“, sagt DSF-Kommunikationsleiter Jörg Krause, „aber wir haben einen Weg gefunden, die Übertragungen zu sichern.“ Reintjes berichtet: „Wir haben den Vertrag mit dem DSF über Kosponsoren abgedeckt.“ Außerdem bemüht sich nun auch die Marketing-Agentur des DSF um einen neuen Ligasponsor.

Sportlich ist die Liga durch den Mitteldeutschen BC attraktiver geworden. Dieser holte sich neben den aktuellen Nationalspielern Misan Nikagbatse und Stephen Arigbabu auch den ehemaligen Berliner Wendell Alexis ins Team. Neben dem MBC gelten Köln, Bamberg und Braunschweig als größte Konkurrenten des Seriensiegers Alba Berlin. Neu in der Liga, die auf 16 Vereine aufgestockt wurde, sind die BG Karlsruhe und die Artland Dragons. Letztere spielen in Quakenbrück und stehen nicht gerade für das Konzept, Basketball in die Metropolen zu tragen. „Jeder, der sich sportlich für die Liga qualifiziert hat, hat es verdient, dort zu spielen“, sagt Otto Reintjes. „Außerdem hat Quakenbrück eine große Basketball-Tradition.“

Die Basketball-Tradition bei „Premiere“ wird zunächst nicht vertieft werden. Die BBL verhandelte tatsächlich mit dem Pay-TV-Sender, doch der Termin, montags um 18.30 Uhr, kollidierte mit den Europokalpflichten von acht Bundesligisten. Reintjes sagt: „Es war nicht möglich, zu einer Zusammenarbeit zu kommen.“ War also versehentlich doch fast alles richtig, was die Zuschauerredaktion geschrieben hat.

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