Sport : Kampf statt Showtime

Im siebten Finalspiel ringen die Basketballer der Los Angeles Lakers den Erzrivalen aus Boston 83:79 nieder und holen ihren 16. NBA-Titel

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Drei Stars, ein Superstar. Kobe Bryant (in Gelb) steigt zum Wurf hoch, die Celtics Kevin Garnett, Paul Pierce und Ray Allen (von l.) müssen zusehen. Foto: dpa
Drei Stars, ein Superstar. Kobe Bryant (in Gelb) steigt zum Wurf hoch, die Celtics Kevin Garnett, Paul Pierce und Ray Allen (von...Foto: dpa

Berlin - Keine Dunkings, keine Pässe hinter dem Rücken, keine Spur von Showtime: Das große Finale der amerikanischen Basketball-Profiliga NBA war kein offensives Spektakel – sondern ein zähes, spannendes Ringen. Im entscheidenden siebten Spiel der Finalserie bezwangen am Ende die Titelverteidiger der Los Angeles Lakers die Boston Celtics am Donnerstag in eigener Halle mit 83:79 (34:40) und setzten sich in der Best-of-seven-Serie mit 4:3 durch. Der Sieg über den Erzrivalen bedeutete für die Lakers die 16. Meisterschaft – nur noch ein Titel fehlt, um zu Rekordmeister Boston aufzuschließen. „Es war nicht schön, aber erfolgreich“, sagte Lakers-Trainer Phil Jackson, der seine elfte Meisterschaft gewann. „Wir haben mit Beharrlichkeit gewonnen.“

Kurz nach Beginn der zweiten Hälfte lagen die Gastgeber schon mit 13 Punkten zurück, ließen sich aber nicht abschütteln. Kobe Bryant, der Superstar der Lakers, tat sich unheimlich schwer gegen die verbissene Verteidigung der Celtics, nur sechs seiner 24 Würfe fanden das Ziel. „Ich weiß immer noch nicht, wie wir das Spiel gewonnen haben“, sagte er hinterher. „Aber ich wollte es einfach so sehr.“ Auch Boston hatte im Laufe der Partie immer mehr Probleme, sich gute Wurfpositionen zu erarbeiten. Und so gewann am Ende das Team, das sich mehr zweite Chancen erarbeitete: 23 Offensivrebounds angelten sich die Lakers, Boston kam nur auf acht. Besonders in der Schlussphase, als allen Spielern die Strapazen der langen Saison und der vielen Play-off-Spiele anzumerken war und Bryant immer wieder sichtlich um Atem rang, setzten sich die Lakers entscheidend unter den Körben durch. Die 18 Rebounds – neun davon unter dem Korb des Gegners – des spanischen Centers Pau Gasol waren für die Lakers am Ende wichtiger als Bryants 23 Punkte.

Der routinierte Außenseiter aus Boston hatte in den Play-offs bereits drei große Stars der NBA ausgeschaltet: Dwyane Wade von den Miami Heat, LeBron James von den Cleveland Cavaliers und Dwight Howard von den Orlando Magic. Auch Bryant wirkte am Donnerstagabend zeitweise ratlos. In der Finalserie war dem 31-Jährigen mehrfach vorgeworfen worden, er spiele mit zu wenig Vertrauen in seine Mitspieler. Als aber die Entscheidung anstand, beschloss Bryant, den Ball auch ab und zu in die Hände von Gasol und dem Verteidigungsspezialisten Ron Artest zu geben, die es ihrem Anführer mit wichtigen Punkten dankten. Im Schlussviertel lag Boston 64:61 in Führung, ehe die Lakers mit einer 9:0-Serie das Spiel und letztlich die Meisterschaft an sich rissen. „Er hat uns vertraut, das hat uns allen gutgetan“, sagte Artest. „Und er hat mir den Ball zugepasst. Eigentlich passt er nie zu mir – und dann habe ich den Dreier getroffen.“ Artests Treffer zum 79:73 knapp eine Minute vor der Schlusssirene konnten die Celtics nicht mehr kontern, auch wenn sie selbst noch zwei Dreipunktewürfe verwandelten. An der Freiwurflinie ließen sich die Lakers den Titel nicht mehr nehmen,

Während die Lakers wohl auch im kommenden Jahr eine gute Chance auf ihre dritte Meisterschaft in Folge haben, dürfte es für die alternden Celtics um die drei Stars Kevin Garnett, Paul Pierce und Ray Allen die letzte Endspielserie in den kommenden Jahren gewesen sein. Bostons Coach Doc Rivers lobte sein Team, dem kaum jemand so starke Play-offs und eine ernsthafte Titelchance eingeräumt hatte, als die „verrückteste, emotionalste Mannschaft, die ich je trainiert habe“.

Das größte Kompliment machte den Verlierern aber Bryant. Auf die Frage, was seinen fünften NBA-Titel von den vier vorherigen unterscheide, sagte er: „Um diesen musste ich am härtesten kämpfen.“ Für Bryant bedeutet der Triumph, dass er einen Titel mehr besitzt als sein ehemaliger Mitspieler Shaquille O’Neal. Und zum eigentlich unantastbaren Michael Jordan fehlt ihm nur noch eine Meisterschaft.

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