Sport : Kampf um die gute Laune

Albas wichtigstes Spiel: Heute im Pokal in Bonn

Benedikt Voigt

Berlin - Tanel Tein sitzt auf einem Tisch in der Max-Schmeling-Halle neben dem Spielfeld und denkt nach. Um sein rechtes Knie wölbt sich ein kühlender Eisbeutel. Nach einiger Zeit sagt der Flügelspieler von Alba Berlin vorsichtig: „Null.“ Dann gibt er auf. „Nein, die Nummer fällt mir nicht ein.“ Seit acht Monaten weilt der estnische Basketballprofi in Berlin, seine deutsche Handynummer aber weiß er immer noch nicht auswendig. Auf dem Spielfeld hingegen ist er besser angekommen.

„Jetzt macht es richtig Spaß“, sagt Tanel Tein. Teamgeist und Selbstbewusstsein wachsen bei den Spielern von Alba Berlin, wie beim Erfolg (71:63) über Bamberg zu erleben war. „Am Anfang der Saison wussten wir noch nicht, was auf dem Spielfeld passiert, jetzt haben wir dieses Wissen“, sagt Tein. Doch ob sich die positive Entwicklung bei Alba Berlin fortsetzt, hängt vom heutigen Viertelfinalspiel im Pokal bei den Telekom Baskets Bonn ab (19.30 Uhr, Live-Ausschnitte auf Radio 1). „Die Mannschaft muss jetzt noch einen draufsetzen“, sagt Trainer Henrik Rödl, „abgesehen von den Uleb-Cup-Spielen ist das unser bisher wichtigstes Saisonspiel.“ Verliert Alba, wäre das zweite Saisonziel verpasst. Das vorzeitige Scheitern im Uleb-Cup hatte Trainer Emir Mutapcic den Job gekostet.

Alba Berlins letzter Sieg in Bonn datiert vom 7. Juni 2001. „Das ist für die jetzige Mannschaft unwichtig, weil die damit nichts zu tun hat“, sagt Rödl. Das stimmt nicht ganz, verlängerte doch auch das neue Team im Bundesliga-Hinspiel die Serie der Erfolgslosigkeit (75:76). Zudem wittert der angeschlagene Gegner in der Hardtberghalle seine Chance, die schwache Saison doch noch zu wenden. Gegenwärtig läuft Bonn Gefahr, die Play-offs zu verpassen. „Die Bonner werden am Mittwoch alles tun, um gute Laune zu bekommen“, sagt Rödl. Sein Team hingegen möchte die gute Laune behalten.

Dazu ist ein Auswärtssieg bei einer Spitzenmannschaft der Bundesliga vonnöten, und das ist Alba in dieser Saison noch nicht gelungen. „Vielleicht spüren wir auswärts zu viel Druck“, sagt Tanel Tein, „aber eigentlich sollte das keine Rolle spielen.“

Doch der Druck vor dem heutigen Spiel ist hoch. Der Pokal spielt in dieser Saison eine noch bedeutsamere Rolle für Alba. Der Klub benötigt für die ersehnte Europaliga-Qualifikation jeden möglichen Zähler. Für das Erreichen des Halbfinales gibt es bereits erste Punkte in dieser Wertung. Zudem ist der Pokal die einfachste Möglichkeit, einen Titel zu gewinnen. Bundesligisten genügen lediglich vier Siege dafür. Falls Alba in Bonn gewinnt, hätte die Max-Schmeling-Halle gute Chancen, als Austragungsort für das Final-Four-Turnier am 7. und 8. Mai ausgewählt zu werden. Und zu Hause haben die Berliner in dieser Spielzeit gegen keinen Bundesligisten verloren.

Das heutige Spiel gibt die Richtung für den Rest der Saison vor. Es ist auch eine gute Gelegenheit, sich zu empfehlen. „Wenn man länger bei Alba bleiben will, muss man hier wirklich gut spielen“, sagt Centerspieler Jovo Stanojevic. Falls also Tanel Tein vorhat, seine Handynummer noch zu lernen, sollte er besser seine zuletzt guten Leistungen bestätigen. Sonst könnte es sich nicht mehr lohnen.

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