Sport : Kampf ums Spielgeld

Der Sport reagiert gespalten auf die geplante Beibehaltung des staatlichen Glücksspielmonopols

Til Knipper

Berlin - Der deutsche Sport macht sich Sorgen um die Spielkultur im Land. Er finanziert sich schließlich zu einem großen Teil daraus, dass Menschen Lottoscheine ausfüllen und auf Sieg oder Niederlage wetten. Die Grundlage dafür ist der Lotteriestaatsvertrag, nur muss dieser Vertrag nach einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts geändert werden. Die Ministerpräsidenten haben in Berlin nun einen neuen Entwurf vorgelegt, aber ob er dem Sport auch weiter so viel Geld aus dem Spiel zuschanzen wird, ist fraglich.

Das Bundesverfassungsgericht hatte der Politik zwei Optionen gelassen: Entweder das staatliche Wettmonopol zu erhalten, dann dürfen aber diese Angebote wie etwa die Sportwette Oddset nicht mehr so stark beworben werden und auch nicht mehr im Internet stattfinden. Oder eine Öffnung des Marktes. Die Ministerpräsidenten haben sich für den ersten Weg entschieden – mit ungewissen Folgen für den Sport. Der Wegfall von Werbung und Internetgeschäft könnte nämlich zu einem Rückgang der Spieleinnahmen führen. Zurzeit erhält der Sport eine halbe Milliarde Euro aus den staatlichen Lotterieeinnahmen.

Dennoch nahmen gerade die Landessportbünde als Träger des Breitensports den Beschluss der Ministerpräsidenten zufrieden auf. „Das geht in die richtige Richtung, und die Zweckbindung der Einnahmen ist sichergestellt“, sagte Lothar Westram, der Geschäftsführer des Landessportbundes Rheinland-Pfalz. Ein Mitarbeiter seines Hauses, der auch in Lotto-Gremien sitze, habe ihm vorgerechnet, dass ein Verbot der privaten Wettanbieter die Einnahmen der staatlichen Spielorganisationen eher vergrößern werde als ein offener Markt mit Werbung und Wettbewerb. Der Deutsche Olympische Sportbund habe jedoch wegen der Neuordnung des Marktes und der damit verbundenen Unübersichtlichkeit sogar vor Einnahmeverlusten gewarnt.

Der Sport ist ohnehin gespalten in der Frage, ob das staatliche Monopol erhalten bleiben soll. Zu den Gegnern des Monopols zählt vor allem der Fußball. Theo Zwanziger, Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) und der Aufsichtsratsvorsitzende der Deutschen Fußball-Liga (DFL) Werner Hackmann hatten bereits vor der Entscheidung in einem Brief an den niedersächsischen Ministerpräsidenten Christian Wulff darauf verwiesen, „dass es Sportwetten ohne den Lizenzfußball gar nicht gäbe“. Niedersachsen hat gerade den Vorsitz in der Konferenz der Ministerpräsidenten.

Die Aufrechterhaltung des Monopols wäre daher ein entschädigungsloser Enteignungsprozess. DFB und die DFL kündigten jetzt an, die Verfassungsmäßigkeit des Beschlusses in einem Rechtsgutachten überprüfen zu lassen. Ob die Neuregelung der Ministerpräsidenten in Kraft tritt, ist allerdings genauso offen wie die Frage, wie lange sie halten wird. Erst einmal muss sie von den Länderparlamenten ratifiziert werden. Und über allem steht noch die Ungewissheit, ob nicht sowieso irgendwann eine europäische Regelung kommt.

Erstaunlich unbeeindruckt zeigt man sich bei Bwin, dem größten privaten Wettanbieter in Deutschland. „Der jetzige Entwurf wird so nicht in Kraft treten, weil er verfassungswidrig ist und gegen Europarecht verstößt. Die Lösung kann nur in einem Nebeneinander von privaten und staatlichen Anbietern liegen“, sagt Bwin-Sprecher Hartmut Schultz. Und wie um Sport und Politik zu beruhigen kündigt er an, dass „Bwin bereit ist, sich für Suchtprävention und die Förderung des Sports einzusetzen“.

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