Sport : Kampf und Krawatte

Die Eisbären zeigen sich in Hannover von ihrer besten Seite

Claus Vetter

Hannover. Es waren freundliche Gäste, die da am Donnerstag in der Preussag-Arena auf dem Hannoveraner Messegelände vorbeischauten. 300 Menschen aus Berlin, an der Kleidung unschwer als Fans der Eisbären zu erkennen, feuerten die Scorpions an. „Wir wollen euch kämpfen sehen“, hallte es durch die Halle. Bei einer 5:1-Führung der eigenen Mannschaft fällt Ironie eben nicht schwer. Angekommen auf dem akustischen Höchstlevel der Sangesbemühungen, verunglimpften die Eisbären-Fans ihr Team schnell noch mal als „die Schande der ganzen Liga“.

Die Schande der Liga sind die Eisbären momentan wahrlich nicht. Der Sieg bei den überforderten Scorpions half den Berlinern, ihre Tabellenführung in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) auszubauen. Es sieht so aus, als sollten sie im Endspurt der Hauptrunde – acht Spiele bleiben noch – Rang eins festigen können. Denn in Hannover hinterließen die Berliner einen guten Eindruck. Erstmals seit Urzeiten standen Trainer Pierre Pagé alle Stürmer zur Verfügung: Der lange verletzte Sven Felski zeigte dabei einen deutlichen Formanstieg, David Roberts schoss bei seinem Comeback gleich ein Tor. „Die Spieler wollten in der dreiwöchigen Pause mehr frei haben als vier Tage“, sagt Pagé. „Aber jeder hat nun gesehen, dass sich unsere harte Arbeit gelohnt hat.“ Einer aber fand sich in Hannover in ungewohnter Rolle wieder: Topscorer Kelly Fairchild wurde in der Verteidigung aufgestellt. „Und dort hat er sich sehr gut gemacht“, findet der Trainer. Schlecht für den Betroffenen, denn der will lieber stürmen. Peter John Lee kann der Kritik wenig abgewinnen. „Wir haben 5:1 gewonnen“, sagt der Manager. „Da soll mir keiner erzählen, dass etwas nicht stimmt.“

Tatsächlich fand selbst der Trainer des Verlierers die Eisbären beeindruckend. Auf die Frage, was man denn anders machen müsse als Hannover, um gegen die Berliner zu bestehen, sagte Gunnar Leidborg: „Alles.“ Dann verschwand der Schwede aus der Preussag- Arena, schlecht gelaunt. Zurück blieb sein Berliner Kollege, mit einer karminroten Krawatte mit knallblauen und weißen Streifen. Die hatten ihm die Scorpions überreicht. „Mal etwas anderes. Ich hab schon zwölf Uhren zu Hause.“ An einem fröhlichen Abend mit freundlichen Gästen und freundlichen Gastgebern wollte Pagé aber kein Spielverderber sein: „Nein, natürlich freue ich mich über Geschenke.“

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