Sport : Kampfansage auf Krücken

Trotz Verletzungssorgen glauben die Bayern gegen Milan an den Halbfinaleinzug

Klaus Raab[München]

Es gibt Zahlen, die Mut machen. Ganze sechs Heimspiele zum Beispiel hat der FC Bayern München in der Champions League verloren – von 57 Heimspielen insgesamt. Und Mark van Bommel macht geltend, dass man „ja praktisch wieder mit Zwölf gegen Elf spiele“, weil die 66 000 Zuschauer in der ausverkauften Allianz-Arena ja sicherlich so ein Spektakel veranstalten werden, dass dem Gegner, dem AC Mailand, angst und bange werde. Diese kleinen Zahlenspielereien werden bekräftigt durch ein Hoffnung spendendes Ergebnis: Mit dem 2:2 in der ersten Begegnung in Mailand hat sich der Deutsche Meister eine Ausgangsposition für das Viertelfinal-Rückspiel heute (20.45 Uhr, live bei Premiere) geschaffen, die recht komfortabel ist.

„Wenn wir heutzutage die Champions League gewinnen“, hat Manager Uli Hoeneß gerade als Understatement bekannt gegeben, „dann ist das so, als ob Eintracht Frankfurt Deutscher Meister wird.“ Er spielte damit auf die Fernsehgelder an, die in anderen Ländern üppiger ausfallen, was auch den Einkauf größerer Fußballstars ermöglicht. Dazu passend stellte Carlo Ancelotti, der Trainer des AC Mailand, fest, dass sein Verein die besseren Spieler habe als der FC Bayern München.

Und so nahmen auch Ottmar Hitzfeld und Oliver Kahn dankbar die Rolle des Außenseiters an. „Wir haben uns eine sehr gute Ausgangsposition in Mailand erarbeitet. Trotzdem wissen wir, dass Mailand jederzeit auswärts gewinnen kann, so viele Weltklassespieler, wie die haben“, sagte Kahn. Nach dem 2:2 genügt den Bayern schon ein 0:0 oder 1:1, um ins Halbfinale vorzustoßen. Trainer Hitzfeld warnt: „Wir spielen gegen elf Individualisten mit großer Klasse. Aber entscheidend wird die Mannschaftsleistung sein. Nicht die besten Spieler, sondern die beste Mannschaft wird das Spielfeld als Sieger verlassen.“

So kommt es, dass er sich nicht einmal wegen der ausfallenden Spieler zu sehr grämt. Mit Willy Sagnols und Bastian Schweinsteigers Knien ist auch die Liste der verletzten Stammspieler angeschwollen. Mehmet Scholl und Martin Demichelis fallen wegen Muskelfaserrissen, laut Hitzfeld, „definitiv“ aus. In Hannover hatten zuletzt Lucio, Owen Hargreaves und Hasan Salihamidzic angeschlagen gefehlt. Ob diese drei heute wieder einsatzbereit sind, war nicht endgültig entschieden. Auf der Kippe steht vor allem Schweinsteiger. „Bei ihm werden wir erst am Nachmittag entscheiden können“, sagte Hitzfeld. Natürlich hoffe er, „dass sich die Personalsituation entspannt“, präsentierte aber einen Notplan: „Jeder Ausfall ist eine Chance für einen anderen Spieler, sich auf hohem Niveau zu bewähren. Das hat man ja auch bei Andreas Ottl gesehen, der in Mailand hervorragend gespielt hat. Von daher zerbreche ich mir jetzt nicht den Kopf.“

Zumal Mark van Bommel und Oliver Kahn, zuletzt gesperrt, wieder dabei sein werden. „Mit van Bommel sind wir sicher stärker auf dem Platz präsent, weil er nicht nur die Mannschaft dirigiert, sondern auch die entscheidenden Pässe spielen kann“, sagte Hitzfeld. Auch Willy Sagnol, der nach seiner Knieoperation vier Monate ausfällt, sagte: „Ich bin sicher, dass wir mit van Bommel und Kahn ein noch besseres Spiel als in Mailand machen.“ Eine Kampfansage auf Krücken – das gehört zu den Bildern, die der FC Bayern gerne in seine Dramaturgie einfügt.

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