Sport : Kampfschwein im Designeranzug

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Stefan Hermanns über den wahren Triumph Ottmar Hitzfelds

Die Menschheit hat sich ein ziemlich präzises Bild von Ottmar Hitzfeld gemacht. Das ist nicht ungewöhnlich bei jemandem, der in Deutschland seit mehr als zehn Jahren unter intimer Beobachtung der Öffentlichkeit steht. Ungewöhnlich ist vielmehr, dass dieses Bild von Hitzfeld exakt mit dem Bild übereinstimmt, das Hitzfeld selbst am liebsten von sich verbreitet sieht. In der Welt der starken Männer gilt der Trainer des FC Bayern München als soignierter Herr, der scheinbar nur durch Zufall an den Rand eines Fußballfelds geraten ist. Hitzfeld könnte Staatsanwalt sein oder Stararchitekt oder Direktor eines Nobelhotels. Aber Fußballtrainer?

Die letzten Monate haben gezeigt, dass das öffentliche Bild den realen Ottmar Hitzfeld nur bedingt wiedergibt. Hitzfeld ist nicht der smarte Gentleman, dem alles einfach zufliegt. Nicht nur. Hitzfeld ist auch ein Kämpfer, ein Kampfschwein im Designeranzug. Am Samstag in Wolfsburg hat er mit den Tränen gerungen. Es war ein seltsames Bild, zum einen, weil man den kühlen Bayerntrainer so noch nie gesehen hat, zum anderen, weil an der Tatsache, dass die Münchner die Saison als Meister beenden würden, nun wirklich keine Zweifel mehr bestanden haben. Aber für Hitzfeld war dies der Moment, in dem er den Kampf gewonnen hatte – den Kampf um seine berufliche Existenz.

Als Bayern im Herbst in der Champions League scheiterte, schien dies der Anfang vom Ende der Ära Hitzfeld zu sein. Die Spieler prügelten sich endzeitstimmungsmäßig im Training, und das Besserwissertriumvirat Beckenbauerrummeniggehoeneß ermahnte Hitzfeld, die Jugend stärker zu fördern. Das ist, als ob man dem PeugeotChef vorwerfe, dass der Absatz der Pfeffermühlen stagniere. Hitzfeld hat diese Angriffe mit Würde ertragen und den Kampf aufgenommen – weil er wusste, was auf dem Spiel stand. Im schlimmsten Fall wäre der Abschied von den Bayern auch das Ende seiner Trainerkarriere gewesen. Wer einmal bei den Besten gearbeitet hat, geht danach nicht als Nothelfer nach Nürnberg, Leverkusen oder Hannover.

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