Sport : Kampfsport: Erst Judo, dann Sumo

Mit Wut im Bauch und Schmerzen an der Hand erschien die Brandenburgerin Sandra Köppen zur Siegerehrung. Da hatte sie zwar die Bronzemedaille bei den Judo-Weltmeisterschaften in München erkämpft, aber tief saß bei ihr der Groll. Die Europameisterin in der Klasse über 78 kg war gar nicht gut auf Daime Beltran aus Kuba zu sprechen, sie fühlte sich schlicht benachteiligt. "Meine Gegnerin hat meinen Finger genommen und ihn umgedreht. Das hätten die Kampfrichter sehen und mit einer Strafe ahnden müssen", schimpfte die 26 Jahre alte Sportsoldatin. Sie verlor das Duell durch einen umstrittenen Kampfrichter-Entscheid und damit die Chance auf den Einzug ins Finale.

Die Olympia-Fünfte ließ sich indes in der Trostrunde und besonders im "kleinen Finale" um den dritten Platz nichts von der Verletzung anmerken und gewann trotz des ausgerenkten Fingers die Bronzemedaille. "Das war die beste Sandra Köppen, die es bisher gab. Sie hat das schönste Judo gezeigt", schwärmte Frauen-Bundestrainer Norbert Littkopf über das Kraftpaket in seiner Mannschaft. Und er fügte hinzu: "Mit ihrer Platzierung hat sie den anderen Kämpferinnen Mut gemacht. Sandra ist seit Jahren unsere Stimmungskanone in der Staffel. Sie schafft es immer wieder, alle anderen mitzureißen."

Die WM-Dritte kennt keinen Stillstand. Nach einer kurzen Erholungsphase will sich Sandra Köppen vorübergehend verändern: Sie möchte sich dem Sumo-Ringen zuwenden, zu den World Games nach Japan fliegen und im Oktober bei der WM in dieser fernöstlichen Kampfsportart antreten. "Ich habe einfach Spaß daran, das ist so ein kleines Hobby von mir", erzählte die WM-Dritte. Außerdem absolviert sie in Frankfurt (Oder) demnächst einen Unteroffiziers-Lehrgang.

Judo-müde ist Sandra aber nicht. Die Olympischen Spiele 2004 in Athen sind ihr nächstes großes Ziel. "Der fünfte Rang von Sydney ärgert mich immer noch. Ich war so dicht an einer Medaille dran und habe durch eine Nachlässigkeit am Schluss nichts in den Händen gehabt", erzählte die Zeitsoldatin. Ihre Enttäuschung damals war so groß, dass sie fast ein halbes Jahr mit niemanden über diesen Ausrutscher sprechen wollte.

Als ihr die WM-Medaille um den Hals hing, half ihr das bald auch über die anfangs schlechte Stimmung hinweg. "Ich bin überglücklich, obwohl mir alles am Körper weh tut", gestand sie - und dann wurde kräftig gefeiert. Denn auch darin ist die Schwergewichtlerin eine Meisterin.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben