Sport : Kanada? Eishockey!

-

Michael Rosentritt über den Sinn von Freundschaftsspielen

Arne Friedrich ist für Rudi Völler der Nationalspieler der Saison. Der Teamchef schätzt an dem Verteidiger von Hertha BSC, dass er sein hohes Niveau nicht nur halten, sondern von Spiel zu Spiel noch steigern kann. Bei Hertha BSC ist er von 60 000 Fans vor einer Woche zum Spieler der Saison gewählt worden. Herthas Manager Dieter Hoeneß hält große Stücke auf ihn: „Der Arne ist kerngesund im Kopf.“

Zurzeit hält sich Arne Friedrich im Kreise der Nationalspieler in Wolfsburg auf. Dort steigt Sonntagabend ein Länderspiel gegen Kanada, und Friedrich hat seinen kerngesunden Kopf zum Nachdenken benutzt. „Kanada?“, hat er sich gefragt, und dann geantwortet: „Mit Kanada verbinde ich eigentlich Eishockey.“

Die Funktionäre des Deutschen FußballBundes (DFB) werden womöglich viele „gute Gründe“ finden, warum gerade jetzt ein Länderspiel gegen die Eishockey-Nation Kanada sinnvoll ist. Sportliche Gründe dürften es nicht sein. Einen Tag nach dem Pokalfinale fehlen die beteiligten Herren Kahn, Ballack, Jeremies und Klose, so dass Teamchef Völler nur bedingt seine Mannschaft für das EM-Qualifikationsspiel am kommenden Samstag gegen Schottland testen kann. Aber auch so ein Länderspiel wird vom übertragenden Fernsehsender gut bezahlt. Rund drei Millionen Euro nimmt der DFB beim Spiel gegen Kanada ein. Noch Fragen?

Ja, einige, aber Teamchef Völler beantwortet nur eine, die keiner gestellt hat. Die nach dem Schalker Jörg Böhme, der mal wieder eine mentale Auszeit genommen hat und deshalb von Völler nach Hause geschickt wurde – weil er „körperlich und geistig nicht in der Lage ist, uns weiterzuhelfen“. Niemand wird Böhme ernsthaft vermissen, wohl aber die Antwort auf die Frage aller Fragen, die der Teamchef weder gestellt, geschweige denn beantwortet hat: Was bringt uns eigentlich ein Freundschaftsländerspiel gegen Kanada – körperlich und geistig gesehen?

0 Kommentare

Neuester Kommentar