Kanadas Idol Brian McKeever : Donut vor der Pupille

Der sehbehinderte Skilangläufer Brian McKeever ist ein Superstar in Kanada und gewann jetzt fast erwartungsgemäß Paralympics-Gold. Der 30-Jährige ist so gut, dass er beinahe sogar bei den Olympischen Spielen im 50-Kilometer-Rennen an den Start gegangen wäre.

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Erfolgreiches Team. Brian McKeever (li.; Kanada) und sein Bruder Robin McKeever als Begleitläufer siegen im 20-Kilometer-Langlauf...Foto: Thilo Rückeis

Wenn Brian McKeever einen anblickt, merkt man nicht, dass dieser Mann so gut wie nichts mehr sieht. „Sie müssen sich das so vorstellen, als ob Ihnen jemand einen Donut-Kringel vor die Pupille hält“, erklärt er, „nur, dass für mich das Rund in der Mitte schwarz bleibt und ich nur noch ein wenig vom Außenring sehe.“ Sein Gesicht hingegen kennt in Kanada jeder: Der smarte Athlet aus Canmore, Alberta, ist ein nationales Sportidol, einer der Stars der Paralympischen Spiele 2010. Zumal er zum Wochenauftakt seine fünfte Goldmedaille bei den Paralympics gewann. Brian McKeever kam in Vancouver beim 20-Kilometer-Langlauf gemeinsam mit seinem Bruder und Begleitläufer Robin rund 42 Sekunden vor dem zweitplatzierten Russen Nikolai Poluchin ins Ziel.

In Kanada kennt jeder seine Geschichte: Brian McKeever ist dreißig Jahre alt, und seit er zwölf ist, kann er infolge einer Makuladegeneration von Jahr zu Jahr weniger erkennen. Zehn Prozent der Sehkraft sind ihm geblieben. Trotzdem wäre er beinahe im Februar bei den Olympischen Spielen der Nichtbehinderten in Vancouver gestartet.

Letztlich durfte er am abschließenden 50-Kilometer-Langlauf dann doch nicht teilnehmen, weil er nicht mit seinem Bruder Robin hätte laufen dürfen. Deshalb ließ sein Trainer einem vermeintlich schnelleren Teammitglied den Vortritt. „Ich wäre ja auch allein gestartet“, moniert Brian McKeever. Wie wäre das gegangen? „Naja, ich präge mir die Strecke immer genau ein“, sagt er. Er läuft öfter alleine mit Nichtbehinderten auf Strecken, die er gut kennt. „Und bei dem Olympiarennen hätte ich ja gleich eine ganze Truppe von Begleitläufern vor mir gehabt“, sagt McKeever.

Ganz so einfach ist das dann aber doch nicht. „Bei solchen Rennen kann Brian jedenfalls niemals Gold gewinnen“, erklärt Marie Cayer vom Presseteam der kanadischen Paralympics-Mannschaft. Der Skiläufer brauche immer einen Menschen vor sich, sonst verliere er völlig die Orientierung. Seinen Bruder Robin, der 1998 bei den Olympischen Winterspielen in Nagano selbst am Start war, hat Brian schon öfter mal überholt – und landete dann prompt im Wald oder im Tiefschnee. So zog er sich im Oktober 2008 einen Rippenbruch zu. Und bei den kanadischen Meisterschaften musste er wegen eines Oberarmbruches ins Krankenhaus.

Jetzt bei den Paralympics in den Bergen von Whistler setzte erst ihm und dann seinem Bruder eine kräftige Erkältung zu. „Ich musste zusehen, dass ich überhaupt schnell genug vorsprinte“, sagt Robin McKeever, der als Coach im nordischen Skisportteam Kanadas arbeitet. Sein Bruder Brian ist erst vor acht Jahren in den Leistungssport eingestiegen, kann aber heute schon von seinen Sponsorenverträgen leben. Bereits im Jahr 2005 war er der beste Handicap-Sportler Kanadas.

Und im Jahr 2007 qualifizierte er sich für die Weltmeisterschaften der nichtbehinderten Langläufer – und lief als bester kanadischer Athlet ins Ziel. Inzwischen setzt er sich als Botschafter der internationalen Entwicklungshilfeorganisation „Right to Play“ ein, bei Familienevents trainiert er auch gern den Nachwuchs. Jetzt konzentriert er sich aber auf die Paralympics und trainiert schon für die nächsten Wettbewerbe. Die Absage des kanadischen Nationaltrainers bei den Olympischen Spielen habe ihn zwar „ziemlich zerstört“ hinterlassen. „Dafür hat es mich aber auch ganz schön angefeuert, jetzt hier ordentlich reinzuhauen“, sagt Brian McKeever.

Wird er es in vier Jahren in Sotschi noch mal versuchen, bei den Olympischen Spielen zu starten? Eine rhetorische Frage, gibt er zu verstehen, und sagt: „Na klar.“

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