Sport : Kanadier und US-Amerikaner finden Gefallen an der WM

Die russischen NHL-Stars haben sich bereits - nach zum Teil peinlichen Auftritten - vorzeitig verabschiedet, ihre Kollegen aus Nordamerika finden dagegen langsam Gefallen an der Eishockey-Weltmeisterschaft in St. Petersburg. "Wir haben ein Zeichen gesetzt. Wir sind ein echtes Team, wir spielen mit um den Titel. Jeder sollte vor uns gewarnt sein", tönte Todd Bertuzzi von den Vancouver Canucks nach dem 4:3-Sieg Kandas über die Slowakei, dem dritten Erfolg in Serie. Der 21-malige Weltmeister aus dem Eishockey-Mutterland trifft im Viertelfinale nun heute (18.30 Uhr MESZ) auf die Schweiz. Nachbar USA, als einzige Mannschaft im bisherigen Turnierverlauf noch ungeschlagen, muss sich auf dem Weg zur ersten WM-Medaille seit Bronze 1996 mit der Slowakei auseinandersetzen (14.30 Uhr MESZ). In den weiteren Viertelfinalbegegnungen stehen sich die skandinavischen Erzrivalen Finnland und Schweden (14.30 Uhr MESZ) sowie Titelverteidiger Tschechien und Außenseiter Lettland (18.30 Uhr MESZ) gegenüber.

Die Lust an der Eishockey-WM neu entdeckt haben auch die US-Amerikaner. Vor zwei Jahren noch dem Abstieg in die B-Gruppe nahe, stürmt das bunt zusammen gewürfelte Team aus NHL-Profis, College-Boys und Europa-Legionären in St. Petersburg von Sieg zu Sieg und nimmt neue Ziele ins Visier. "Wir wollten eigentlich nur in der A-Gruppe bleiben", erzählt Trainer Lou Vairo und steckt die Ziele inzwischen deutlich höher. "Dann", so sagt er, "wollten wir uns für das Viertelfinale qualifizieren. Und jetzt wollen wir eine Medaille."

Das Erfolgsrezept des Cheftrainers, der bereits bei den Olympischen Spielen 1984 in Sarajevo hinter der US-Bande stand, ist genauso einfach wie wirksam. "Ich sage den Spielern, sie sollen sich den Puck nehmen und Spaß haben. Ich schreie nicht, ich bestrafe sie nicht, ich verbanne niemanden auf die Bank. Wir sind hier, um unser Land zu vertreten. Die Spieler sind mit ganzem Herzen dabei."

Ein Kompliment, das man den russischen NHL-Stars wahrlich nicht machen konnte. Das All-Star-Team aus der nordamerikanischen Profiliga blamierte sich bei der WM im eigenen Land bis auf die Knochen. Erst als die vollmundig angekündigte "Operation Gold" längst gescheitert war und die größte Pleite in der WM-Geschichte feststand, rauften sich die satten NHL-Millionäre zusammen und verabschiedeten sich mit einem 4:2-Sieg gegen Schweden aus dem Turnier.

Erstmals seit dem 8:1-Auftakterfolg gegen den späteren Absteiger Frankreich ernteten die russischen Kufenkünstler nicht Hohn, Spott und Wurfgeschosse von den enttäuschten Fans, sondern Applaus. "Es war unsere letzte Chance zur Wiedergutmachung", meinte Alexander Prokopijew vom Russischen Meister Dynamo Moskau, der das Siegtor erzielte, "zumindest ein bisschen."

Eine weitere Niederlage ausgerechnet am "Tag des Sieges", dem Jahrestag des Endes im Krieggegen Nazi-Deutschland, hätten die frustrierten Fans ihren Lieblingen wohl nicht verziehen. "Wir wollten ihnen zu diesem Feiertag ein Geschenk machen, und es hat geklappt", sagte Prokopijew.

Doch am peinlichen Abschneiden des Rekordweltmeisters änderte der Prestigeerfolg gegen den Gold-Aspiranten wenig. Erstmals seit dem Einstieg 1954 verpasste die einstige Eishockey-Großmacht einen Platz unter den besten Acht. Der umstrittene Trainer Alexander Jakuschew, der mehr denn je um seinen Job bangen muss, brachte die Stimmung auf den Punkt: "Wir haben heute eine Schlacht gewonnen, aber wir haben den Krieg verloren."

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