Kanadischer Stürmer : Herthas Friend sucht das Gefühl

Stürmer Rob Friend hat zwar schon vier Tore für Hertha BSC erzielt, scheint gerade aber ein wenig zu fremdeln.

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Rob Friend macht zwar Tore, fremdelt aber ein bisschen. Foto: dpa
Rob Friend macht zwar Tore, fremdelt aber ein bisschen.Foto: dpa

Manchmal muss ein Stürmer weite Wege gehen, um zum Erfolg zu kommen. Und manchmal muss ein Stürmer weite Wege gehen, um nicht dauernd mit dem eigenen Misserfolg konfrontiert zu werden. Rob Friend, Angreifer von Fußball-Zweitligist Hertha BSC, schlug am Samstag nach dem Auslaufen einen großen Bogen über den Kricket-Platz auf dem Olympiagelände ein, um unbehelligt in die Kabine zu gelangen. Der Kanadier vermied jeglichen Kontakt mit den wartenden Journalisten, obwohl er in den vergangenen Wochen immer wieder ausdauernd über sich, seine Form und seine Situation gesprochen hatte; diesmal aber verspürte Friend offensichtlich keine Lust, sich zu erklären.

Am Abend zuvor, beim 2:0 gegen Fürth, war Herthas Mittelstürmer 20 Minuten vor Schluss ausgewechselt worden. Es stand 0:0, das Spiel ging in die entscheidende Phase, und Friend war augenscheinlich nicht besonders erbaut, dass er an der Entscheidung nicht mehr mitwirken durfte. „Ich habe gemerkt, das Tor kommt“, hatte er gleich nach dem Spiel gesagt. Dieses Gefühl aber besaß Friend weitgehend exklusiv.

Fachlich war gegen die Entscheidung von Markus Babbel nichts einzuwenden. „Er war nicht so im Spiel, wie ich mir das vorstelle“, berichtete Herthas Trainer. Paradox ist nur, dass Babbel noch vor kurzem über Friend gesagt hatte: „Ab und zu sieht man ihn überhaupt nicht, aber er ist da, wenn es drauf ankommt.“ Genauso paradox ist, dass Babbel vor der Saison immer wieder von solchen Spielen wie gegen Fürth gesprochen hatte, in denen der Gegner allein das Bestreben hat, das eigene Tor zu verteidigen. Genau für diesen Fall wollte Babbel einen Stürmertyp wie Friend haben: einen Brecher, der die Blockade notfalls mit Gewalt überwindet. Für keinen Spieler hat Hertha vor der Saison mehr Geld ausgegeben als für den Kanadier, seine Verpflichtung galt als der Königstransfer des Sommers. Doch als die Situation nun wie gemalt schien für Friend, da musste er vom Feld.

Schon gegen Aachen, beim 0:0 vor gut einem Monat, war es ähnlich gewesen. Friend fand keinen Zugriff auf das Spiel. Bis zu seiner Auswechslung in der 66. Minute hatte er ganze 22 Ballkontakte, gegen Fürth waren es sogar nur 17, und laut der offiziellen Statistik gewann er von neun Zweikämpfen gerade mal einen.

Generelle Zweifel an Friend lässt Babbel trotzdem nicht zu. „Rob ist jemand, der sich wahnsinnig schnell akklimatisiert“, hat er schon nach dem Spiel gegen Aachen gesagt. „Er besitzt ein hohes Standing in der Mannschaft.“ Im Moment aber verdichten sich die Anzeichen, dass Friend ein wenig fremdelt in Berlin. Zwar ist er mit vier Toren immer noch Herthas erfolgreichster Torschütze, doch schon seit drei Spielen hat Friend nicht mehr getroffen. Selbst bei Borussia Mönchengladbach, seiner ersten Station in Deutschland, hatte der Stürmer trotz immenser Anfangsschwierigkeiten nach seinen ersten neun Zweitligaspielen schon sechs Tore erzielt.

„Rob ist ein ganz wichtiger Spieler für uns. Wir werden sicher nicht an ihm zweifeln, nur weil er einmal nicht so gut gespielt hat“, sagt Babbel. Auch heute, im Pokal bei der TuS Koblenz (19 Uhr, live bei Sky), wird Friend in Herthas Startelf stehen. Babbel verzichtet auf größere Umbauten in seiner Mannschaft, schon weil er die beiden Verletzten Andre Mijatovic und Nikita Rukavytsya ersetzen muss. Wenn alles gut läuft, kann sich Friend gegen den Zehnten der Dritten Liga ein wenig Selbstvertrauen holen und wieder ein Gefühl für das Toreschießen bekommen.

„Man darf ja nicht vergessen, dass er lange verletzt war, und im Sommer mal wieder eine komplette Vorbereitung absolviert hat“, sagt Babbel. Zuletzt hatte er den Eindruck, „dass Rob einige Schritte nach vorne geht“. Friend hat in den letzten Wochen hart um seine Form gerungen. Er hat auf die Reise zur kanadischen Nationalmannschaft verzichtet, weil er in Berlin seine körperlichen Defizite abarbeiten wollte; und nach dem Training ist er oft noch auf dem Platz geblieben, hat Flanken in die Mitte schlagen lassen und an seinem Abschluss gefeilt. „Als Stürmer muss man immer daran arbeiten, den Ball ins Netz zu kriegen“, sagt er. Für Rob Friend geht es im Moment aber auch darum, das Gefühl fürs Wesentliche nicht zu verlieren.

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