Sport : Kaninchen im Höllenlärm

Frank Bachner

Irgendwann im dritten Satz machte Gabriel Krüger einen technischen Fehler; kann ja mal passieren. Aber Ilja Wiederschein kommentierte den Patzer mit höhnischem Klatschen. Nett war das nicht, schließlich spielten die beiden mal in der gleichen Mannschaft. Doch jetzt ist Wiederschein Zuspieler des VfB Fredrichhafen und Krüger Außenangreifer beim SC Charlottenburg, aber weil sie immer noch Kumpel sind, beugte sich Wiederschein nach dem Spiel über den Stuhl von Krüger und sagte: "Tut mir Leid, dass ich dich vorhin angemacht habe." Und Krüger sagte: "Ist doch kein Problem."

Zum Volleyball, sagte Krüger auch, "gehören Emotionen". Nur zeigte der SC Charlottenburg gestern in der Sömmeringhalle davon denkbar wenige. Sonst hätten die Berliner wohl nicht 1:3 (14:25, 23:25, 25:22, 21:25) gegen den VfB Friedrichshafen verloren. Statt Emotionen zeigten die Berliner Respekt, "zu viel Respekt", sagt SCC-Manager Niroomand, "und deshalb standen wir vor denen wie die Kaninchen. Wir haben die ja regelrecht aufgebaut." Na ja, die Sache mit dem Respekt, sagt Krüger, so war das nicht. "Wir hatten nicht zu viel Respekt, aber die waren uns in allem überlegen, zweifellos".

Genau. Deshalb war es auch nur auf dem Papier ein Bundesliga-Spitzenspiel, Tabellenerster gegen Tabellenzweiter. Der SCC lag ja nur zwei Punkte hinter dem VfB Friedrichshafen, und wohl selten in der letzten Zeit war für den SCC die Chance so groß zu gewinnen wie gestern. 1900 Zuschauer saßen in der Halle, so viel wie seit langem nicht mehr. Die 1900 machten einen Höllenlärm, und Friedrichshafen trat mangels Alternativen im Kader mit fast der gleichen Mannschaft an, die seit Saisonbeginn spielt.

Aber diese Mannschaft setzte den SCC derart unter Druck, dass die Berliner kaum zum eigenen Spiel kamen. Die Schwaben zeigten sehr harte Sprungaufgaben, der SCC hatte schon bei der Annahme Probleme. Der Rest war eine Kettenreaktion. Die Bälle kamen schlecht zu Zuspieler Frank Dehne, der spielte notgedrungen auf die Außenpositionen, und dort war Marco Liefke als einziger wirklich starker Angreifer überfordert. Zudem spielte Dehne die Bälle oft genug noch zu schnell und zu flach, sodass außen selten vernünftige Angriffe zustande kamen. Über die Mitte lief beim SCC so gut wie gar nichts.

Zu den Annahmeproblemen von Krüger und Libero Vincent Lange kamen die harmlosen Sprungaufgaben des SCC. So harmlos, dass im vierten Satz VfB-Libero Alexis Valido bei der Annahme den Ball sogar pritschen konnte. Gut, der SCC gewann den dritten Satz, aber eigentlich nur, weil Friedrichshafen kurze Zeit abbaute. "Ich hatte ehrlich gesagt nie Angst, dass die Berliner uns gefährlich werden können", sagte VfB-Trainer Stelian Moculescu. Keine Widerrede.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben