Kann das Liebe sein? : Ben-Hatira soll bei Hertha zum Fanliebling werden

Ben Hatira hat seit seiner Rückkehr nach Berlin keine besonders erfolgreiche Zeit gehabt und in der Relegation gegen Düsseldorf eine unrühmliche Rolle gespielt. Trotzdem soll er bei Hertha eine wichtige Rolle einnehmen.

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Genießt bei Hertha Rückendeckung: Änis Ben-Hatira
Genießt bei Hertha Rückendeckung: Änis Ben-HatiraFoto: AFP

Berlin - Fanliebe geht bisweilen seltsame Wege. Änis Ben-Hatira erfährt das gerade. Vor einem Jahr ist der gebürtige Berliner vom HSV zu Hertha BSC zurückgekehrt. Er hat im Allgemeinen kein besonders glückliches Jahr hinter sich und – im Besonderen – in der Relegation gegen Fortuna Düsseldorf eine etwas dubiose Rolle gespielt. Gerade als sich die Angelegenheit zugunsten Herthas zu wenden schien, torpedierte Ben-Hatira mit einer Unbeherrschtheit und dem folgenden Platzverweis die Hoffnung auf den Klassenerhalt. Aber von Groll oder Vorbehalten gegen den tunesischen Nationalspieler ist in Berlin nichts zu spüren. Herthas Homepage hat dieser Tage im Stil eines schwülstigen Groschenromans über Ben-Hatira gedichtet: „Er verkörpert das blau-weiße Berlin wie kein Anderer.“

Ganze 17 Bundesligaspiele hat Ben-Hatira in der Vorsaison bestritten, davon nur vier über 90 Minuten. Trotzdem war die Freude groß, als der offensive Mittelfeldspieler vor einem Monat seinen Vertrag verlängerte – und das nicht nur, weil er dafür auf einen Teil seines Gehalts verzichtete. Ben-Hatira rückt in Berlin immer mehr in die Rolle, die Patrick Ebert schon lange vor seinem endgültigen Abschied nicht mehr besetzt hat: die des Local Players, des Ur-Berliners mit Hertha-Herz.

Unabhängig davon, dass dem Ganzen etwas Gewolltes anhaftet: Die Freude über Ben-Hatiras Verbleib hat auch eine sportliche Berechtigung. Der 24-Jährige ist ein Instinktfußballer – mit allen Stärken und Schwächen. Doch wenn der Eindruck nicht täuscht, werden seine Stärken (Spielwitz, Technik) in der Zweiten Liga stärker ins Gewicht fallen als seine taktische Unbedarftheit. Bei Hertha jedenfalls erwarten sie einiges von Ben-Hatira, und die neue Wertschätzung lässt sich auch daran ablesen, dass er in der Nachfolge von Raffael das Trikot mit der Nummer 10 tragen wird. Gerade Trainer Jos Luhukay hat sich sehr für eine Weiterbeschäftigung Ben- Hatiras verwendet und ihm als Kompensation für die Einbuße beim Gehalt eine zentrale Rolle in Herthas Spiel in Aussicht gestellt. Hinter den Spitzen könne Ben-Hatira seine Stärken besser für das Team einbringen als auf den Außenpositionen, glaubt Luhukay.

Da trifft es sich gut, dass die Zehnerposition im Sonntagsspiel beim FSV Frankfurt vakant ist, weil Peer Kluge wegen einer Sprunggelenksverletzung ausfällt. Luhukay aber hat sich schon zwei Tage vor dem Spiel festgelegt, dass Ronny in der Zentrale auflaufen wird. Seinen internen Konkurrenten Ben-Hatira sieht der Holländer noch nicht so weit. „Er hat fantastische körperliche und konditionelle Werte“, sagt Luhukay. „Aber es fehlt ihm an Spielrhythmus.“ Dass der Tunesier anstelle des ebenfalls fehlenden Daniel Beichler (familiäre Gründe) auf der rechten Seite auflaufen wird, ist ebenfalls unwahrscheinlich, Luhukay tendiert eher zu Adrian Ramos. Trotzdem kann Ben-Hatira auf einen Einsatz in Frankfurt hoffen. Dass Ronny bis zum Ende durchhalten wird, ist nach den bisherigen Erfahrungen nicht zu erwarten.

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