Sport : Kantige Burschen

Claus Vetter

Eigentlich war alles völlig albern. Aber dann doch nicht. Schließlich spielte am Freitag in München die Eishockey-Nationalmannschaft. Das letzte Mal in der Heimat, bevor es zu den Olympischen Spielen ging. Am Sonntag ist das Team nach Salt Lake City geflogen. Ein trostloser Schnickschnack war das Spiel im Olympia-Eisstadion zu München. 5000 Zuschauer waren dennoch begeistert, schließlich gewann die Nationalmannschaft gegen die bunte Truppe von Allstars aus der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) - nach geplanter Dramaturgie: 0:4 in Rückstand und dann doch noch 7:5 für das Team von Bundestrainer Hans Zach.

Hans Zach war der Star des Abends. Mit dem bodenständigen Tölzer ist es schließlich im deutschen Eishockey doch nach jahrelanger Tristesse irgendwie aufwärts gegangen. Die Fans in München hatten das im Kopf. Da waren doch die Weltmeisterschaft vom Frühjahr 2001 und die überraschende Viertelfinalteilnahme des DEB-Teams. Wer war Schuld daran? Natürlich, der Zach Hans. "Hansi" schallte es von den Rängen. Der Bejubelte will indes überhaupt nicht jubeln. Olympia ist eine Mission Impossible für die Deutschen. Das jedenfalls will der Bundestrainer allen weismachen. Wie stehen die Chancen am kommenden Sonnabend im ersten Spiel bei Olympia gegen die Slowakei? "Nullkommaeins zu neunundneunzigkommaneunundneunzig", sagt Zach. Moment mal, der Marco Sturm ist doch dabei, der Klassestürmer von den San Jose Sharks in der nordamerikanischen Profiliga NHL. "Mit dem Marco und seinem unglaublichen Können stehen unsere Chancen gegen die Slowakei bei eins zu 99", sagt der Bundestrainer.

Den Marco mag der Tölzer Zach, der kommt nämlich wie Zach aus Bayern und liebt trotz seines Engagements in Übersee immer noch die Heimat. "Einmal Bayer, immer Bayer", hat Sturm im Frühjahr bei der WM gesagt. Zach hat sich darüber gefreut. Anderen hingegen mag der Zach nicht so gern das Nationaltrikot überstreifen. Etwa Olaf Kölzig von den Washington Capitals in der NHL, unbestritten einer der besten Torhüter der Welt. Kölzig will und kann zum letzten Gruppenspiel gegen Österreich kommen. Zach will das aber nicht. "Wenn wir die ersten beiden Spiele gewonnen haben, dann waren unsere Torhüter doch gut genug", sagt Zach. "Und wenn wir beide verloren haben, brauchen wir den Kölzig auch nicht."

Eine interessante Rechnung. Auf Überflieger steht der Zach eben nicht. Die Vokabeln "Kampfgeist" und "Disziplin" werden auch am Freitag bis über die Schmerzgrenze strapaziert. Kantige Burschen will Zach. Keine braven Jungs wie die drei Deutschen, die in München im Allstar-Team spielen mussten. Das Sturm-Trio Robert Hock, Witali Aab und Thomas Martinec bewegt in der DEL wesentlich mehr als etwa Andreas Loth oder Wayne Hynes. Die beiden aber dürfen bei Olympia dabei sein, weil sie so sind, wie Zach das möchte. Kantige Burschen eben.

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