Sport : Kanu: Gefahren bis zum Anschlag

Die deutsche Kanu-Flotte ist ihrem guten Ruf wieder einmal gerecht geworden: Mit drei Titeln, einmal Silber und zweimal Bronze erwies sie sich am ersten Finaltag der Europameisterschaften in Mailand als das mit Abstand erfolgreichste Team auf der 1000-m-Distanz. Zunächst landeten Olympiasieger Andreas Dittmer (Neubrandenburg) und Weltmeister Lutz Liwowski (Essen) einen Doppelschlag mit zwei Mal Gold in nur fünf Minuten. Titel Nummer drei ging an Manuela Mucke und Nadine Opgen- Rhein (Potsdam/Essen) im Kajak-Zweier.

Nur hauchdünn um 17/100 Sekunden verpasste der Herren-Vierer den Titel und holte hinter der Slowakei Silber. Zwei Bronzemedaillen durch Katrin Wagner (Potsdam) im Kajak-Einer und Marc Westphalen und Marco Herszel (Potsdam/Magdeburg) im Zweier komplettierten das überragende Gesamtergebnis in den ersten neun Entscheidungen.

"Damit hätte ich nie gerechnet. Ich fühlte mich am Morgen mies und habe dann auch noch den Start verpennt", sagte Andreas Dittmer nach seinem Glanzrennen, das er mit einem Spurt erst auf der Zielgeraden für sich entschied. Zeitweise hatte der Ungar György Kolonics mehr als zwei Längen Vorsprung vor dem Mecklenburger. "Dann aber hat mir mein Trainer zugerufen, dass der Ungar fertig ist, und da habe ich meine Chance genutzt", sagte der Olympiasieger, der damit auch seine Serie der zweiten Plätze bei Europameisterschaften durchbrach.

Noch fast ungläubig schaute Lutz Liwowski bei der Siegerehrung, als könnte er noch gar nicht glauben, dass er zum ersten Mal europäischer Champion geworden war. "An die letzten 250 Meter kann ich mich nicht mehr erinnern, ich bin bis zum Anschlag gefahren. Daher wusste ich auch nicht, ob ich gewonnen habe oder nur Fünfter bin", sagte der Essener, der kommende Woche 34 Jahre alt wird. Er rehabilitierte sich mit diesem Sieg für die bittere Disqualifikation bei den Olympischen Spielen, die ihn um eine Medaille gebracht hatte.

Souverän zeigte sich die neue Formation mit Manuela Mucke und Nadine Opgen-Rhein auf der langen Distanz und ließ der Konkurrenz aus Polen und Ungarn keine Chance. Katrin Wagner haderte hingegen ein wenig mit ihrer Bronzemedaille. "Die Ungarin wollte ich schon gern hinter mir lassen. Dass ich an Josefa Idem nicht herankomme, war klar", sagte die 23-jährige Potsdamerin, die jetzt über 500 m noch einmal ihre Chance sucht. Bei der Siegerehrung für Olympiasiegerin Idem, die 1990 aus Deutschland ausgewandert war, gab es einen kleinen Eklat, weil ausgerechnet die italienische Hymne nicht vorrätig war.

Nicht ganz die Erwartungen erfüllen konnte der 1000-m-Vierer, der von der Rekord-Olympionikin Birgit Fischer betreut wurde. "Platz drei bis fünf hatte ich ihnen schon zugetraut", sagte die Bundestrainerin. Am Ende reichte es aber nur zu Platz sechs. Es ist fraglich, ob dies für einen WM-Start Ende August als Qualifikation ausreicht.

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