Kanute Roland Rauhe : "Wir nehmen die Rolle gerne an"

Ronald Rauhe spricht mit dem Tagesspiegel über Gold in Peking und seine siebenjährige Siegesserie.

Rauhe
Roland Rauhe -Foto: AFP

Herr Rauhe, Sie gelten mit Tim Wieskötter im Zweier-Kajak als Deutschlands sicherste Goldmedaille für Peking, wie geht es Ihnen damit?

Tja, wir sind sicherlich die Favoriten auf Gold, und diese Rolle nehmen wir auch gerne an. Aber wer letztes Jahr die Weltmeisterschaft gesehen hat, der weiß, wie knapp wir da nur gewonnen haben.

Sie haben seit mehr als sieben Jahren kein Rennen im Zweier-Kajak verloren, was kann denn in Peking schiefgehen?

Wir fahren von Jahr zu Jahr schneller, das ist richtig. Doch die Weißrussen Raman Pjatruschenka und Wadsim Machneu werden auch immer schneller. Das wird ein spannender Zweikampf.

Fällt Ihnen sonst jemand ein, der so gute Chancen auf den Olympiasieg hat wie Sie?

Eigentlich nicht. Vielleicht irgendwelche amerikanischen Schwimmer. Das macht die Sache natürlich für uns nicht einfacher. Aber wir sind in diese Rolle reingewachsen, deswegen können wir gut damit umgehen. Schlimmer als 2004 kann der Druck nicht werden, das hat man auch an meiner Reaktion in Athen gesehen…

…als Sie bei der Siegerehrung an der Schulter von Tim Wieskötter geweint haben…

…ja, aber wir haben es geschafft, das Gefühl des äußeren Drucks abzuschalten oder ins Positive umzudrehen. Die Angst von Tim und mir ist höchstens die, uns selbst zu enttäuschen.

Waren Sie bei so vielen Siegen denn schon in der Versuchung, sich zurückzulehnen?

Bisher noch nicht. Nur nach unserem Olympiasieg 2004 haben wir es ein bisschen schleifen lassen, da mussten wir einfach mal ein bisschen Luft holen.

Mit der Bronzemedaille 2000 in Sydney haben Sie sich etabliert, mit Gold 2004 in Athen einen Traum erfüllt. Was würde eine Medaille in Peking bedeuten?

Den Traum weiterzuführen. Uns fragen viele: Was treibt euch an? Da können wir nur sagen: Es wird einfach nie langweilig. Und Olympia ist Olympia, egal, ob es die erste oder dritte Medaille ist. Man verbindet mit jeder Medaille etwas Besonderes.

Warum sind Sie über so viele Jahre besser als alle anderen?

Weil wir ein gutes Team sind, sportlich und menschlich. Sportlich sind wir unterschiedliche Typen. Ich bin eher der Sprinter, Tim hat mehr Ausdauer. Im Laufe der Zeit haben wir uns aber angenähert. Unser Erfolgsgeheimnis ist sicher unsere Renneinteilung, wir können schnell starten, und trotzdem haben wir noch Reserven am Ende.

Haben Sie denn in vergangenen Jahren viel verändert?

Eigentlich haben wir nie etwas richtig umgestellt, höchstens vom Trainingsaufwand noch etwas draufgepackt.

Was kennen Sie von China?

Wir waren insgesamt dreimal da, zum letzten Mal im vergangenen Jahr bei der vorolympischen Regatta in Peking.

Wie war Ihr Eindruck?

Die Anlage ist so, wie man es von China erwartet, großzügig und vom Allerfeinsten.

Und das Klima?

Es ist schon extrem schwül, man muss sich damit abfinden, dass das Atmen nicht so einfach ist. In unserer Mannschaft gibt es Pläne, für die Asthmatiker eine besondere Vorbereitung durchzuführen. Aber davon habe ich nur gehört, ich habe keine großen Schwierigkeiten mit der Luft. Wir reisen auch erst eine Woche vorher an, damit der Körper nicht so ausgelaugt ist.

Die Spiele finden in einer Diktatur statt, es wird viel über Menschenrechte in China diskutiert. Wie gehen Sie damit um?

Das ist generell nicht unser Thema. Ich habe meine Meinung, aber die behalte ich für mich. Wir fahren da hin, um Sport zu treiben, alles andere macht keinen Sinn. Wo die Spiele stattfinden, haben wir uns auch nicht ausgesucht.

Das Gespräch führte Friedhard Teuffel.

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