Kapitän des 1. FC Köln : Ümit Özat: "Es geht mir wieder gut"

Nach seinem Zusammenbruch im Spiel gegen den Karlsruher SC ist Kölns Kapitän Ümit Özat auf dem Weg der Besserung. Das Krankenhaus hat er mittlerweile verlassen. Wahrscheinlich kann er nächste Woche schon wieder trainieren.

Kristina Puck[dpa]
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Rettungssanitäter kümmern sich um den zusammengebrochenen Ümit Özat -Foto: dpa

Karlsruhe/KölnIn solchen Schreckmomenten rückt der Fußball in den Hintergrund. Der Zusammenbruch von Kölns Kapitän Ümit Özat beim 2:0 (0:0)-Erfolg der Rheinländer beim Karlsruher SC lief am Ende glimpflich ab - doch er versetzte Spielern, Trainern und Zuschauern einen Schock. Inzwischen können alle wieder durchatmen. "Es geht mit wieder gut", sagte der 31-Jährige am Samstagabend.

Nach einer Nacht in einem Karlsruher Krankenhaus war der frühere türkische Nationalspieler bereits am Samstag wieder zurück nach Köln gereist. Wahrscheinlich habe er einen Kreislaufkollaps erlitten, teilte der FC mit. "Es könnte sein, dass Ümit zu wenig gegessen oder getrunken hat", sagte Mannschaftsarzt Paul Klein. Özats Zustand ist stabil. In Köln soll er dennoch weiter intensiv medizinisch betreut und untersucht werden, "um auch das Unwahrscheinlichste auszuschließen", sagte FC-Mannschaftsarzt Jürgen Böhle. Er könne aber wahrscheinlich schon nächste Woche wieder trainieren. "Ich will so schnell wie möglich wieder Fußball spielen, aber die Gesundheit geht jetzt erst einmal vor", sagte Özat am Samstagabend den Journalisten vor seinem Haus.

Rückblick: Abwehrspieler Özat taumelt, sackt in der 27. Spielminute ohne Einwirkung eines Gegenspielers bewusstlos zusammen. Spieler gestikulieren panisch, Ärzte und Sanitäter eilen hektisch herbei, den 29.308 Zuschauern stockt der Atem. Stille im Wildparkstadion. "Er lag völlig leblos am Boden. Der Puls kam nur ganz kurz, dann war er wieder weg", schildert KSC-Mannschaftsarzt Marcus Schweizer. Der Türke befindet sich vorübergehend in einem lebensbedrohlichen Zustand, Wiederbelebungsmaßnahmen werden angewendet. Trainer Christoph Daum stehen Tränen in den Augen, der kolumbianische FC-Torwart Fary Mondragon weint hemmungslos. "Sein Gesicht, seine Augen haben mich das Schlimmste befürchten lassen", erklärte der Keeper anschließend. Es folgen bange Minuten, bis der Stadionsprecher Entwarnung gibt und das Spiel fortgesetzt wird.

Schlimme Erinnerungen

Der Zwischenfall weckt Erinnerungen an die plötzlichen Herztode von Mariano Puerta (FC Sevilla) und den Kameruner Nationalspieler Marc-Vievien Foé. Vor dem Mikrofon zögert Daum, schluckt und spricht dann mit ruhiger gefasster Stimme: "Hier geht es auch um Menschen, hier geht es nicht nur um Punkte und Siege." Der Kollaps von Özat nimmt den 54-Jährigen sichtlich mit. "Er bezeichnet mich immer wieder als seinen Vater", beschreibt Daum sein Verhältnis zu seinem Spieler, den er schon zwei Jahre bei Fenerbahce Istanbul trainierte. Noch am späten Freitagabend besuchte Daum ihn im Städtischen Klinikum in Karlsruhe. "Im Krankenhaus habe ich wieder den Kämpfer Ümit gesehen, der am liebsten aus dem Bett springen möchte und zurück aufs Spielfeld will. Er war mehr bei seinem FC als bei seinem Gesundheitszustand."

Zuvor kämpften Özats Mitspieler für ihren Kapitän. "Das hat uns noch ein bisschen mehr Kraft gegeben", sagte Milivoje Novakovic. Der slowenische Torjäger mit seinem dritten Saisontreffer (72.) und der Rumäne Sergiu Radu (84.) sicherten dem Aufsteiger den ersten Saisonsieg und den ersten "Dreier" in der Bundesliga seit dem 13. Mai 2006.

KSC-Trainer Edmund Becker wirkte nach dem schwachen Auftritt seiner Mannschaft, die sich viele Fehlpässe leistete, unzufrieden und ratlos: "Man sollte von unserer Seite aus nicht so viel in den Zwischenfall hineininterpretieren. Wir waren auch davor nicht präsent", sagte der 52-Jährige nach der zweiten Saisonpleite der Badener.

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