Sport : Kapitän ohne Armbinde

Stefan Effenberg übernimmt beim Wolfsburger Sieg über den HSV schon mal die Chefrolle

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Von Karsten Doneck

Wolfsburg. Stefan Effenberg erfüllte alle Kapitänspflichten sorgfältig. Erst schüttelte er dem gegnerischen Mannschaftsführer Nico-Jan Hoogma die Hand, dann Schiedsrichter Franz-Xaver Wack. Anschließend herzte er seinen Teamgefährten Maik Franz – und fand schließlich noch Zeit für die große menschliche Geste. Effenberg schritt zur Mittellinie, wo der Frust über die 1:2-Niederlage beim VfL Wolfsburg Jörg Albertz buchstäblich umgehauen hatte, und sprach dem am Boden kauernden Fußballprofi des Hamburger SV Trost zu.

Stefan Effenberg ist zwar nicht der Kapitän des VfL Wolfsburg (dieses Amt hat Miroslav Karhan inne), trotzdem übernimmt er nach dem Abpfiff schon mal dessen Aufgaben. Eine Führungsfigur will er sein, soll er sein und wird er sein in Wolfsburg – auch ohne offiziellen Auftrag und Kapitänsbinde. „Er hat bei uns die Sache in die Hand genommen“, lobte sein Arbeitskolle Tobias Rau.

Wolfsburg erlebte beim Heimspieldebüt des neuen Stars gleich jenen Effenberg, den der VfL-Zuschauer bisher überwiegend aus dem Fernsehen kannte. Schon zu seinen Zeiten beim FC Bayern erweckte Effenberg ja mitunter den Eindruck, auf dem Feld drehe sich nicht alles um Fußball, sondern der Fußball drehe sich um ihn. Da erfüllt Effenberg im Spiel neben aller fußballerischen Pflicht manchmal eben auch noch eine sozialbetreuerische Funktion. Wie er sich gegen den HSV permanent bei Schiedsrichter Wack herumtrieb, bei jedem Pfiff bereit zur verbalen Kontaktpflege, wirkte Effenberg schon ganz als Chef und Gebieter.

Beim Stand von 0:0 bekam der VfL einen Elfmeter geschenkt. Effenberg zögerte nicht, griff sich den Ball, knallte ihn unter die Torlatte zum 1:0. „Ich fühlte mich einfach gut, deswegen habe ich geschossen“, sagte er. Trainer Wolfgang Wolf lobte: „Das zeichnet Stefan aus, dass er Verantwortung übernimmt.“ Das – und dazu der absolute Siegeswillen. Sehr glücklich kam der HSV zum Ausgleich. Stefan Effenberg weigerte sich einfach, so etwas hinzunehmen. „Wenn der HSV 15 Minuten vor Schluss das 1:1 macht, heißt das nicht, dass das Spiel auch 1:1 enden muss“, sagte Effenberg nachher.

Effenberg macht’ s möglich: In Wolfsburg beginnt jetzt der Traum vom großen Fußball. Manager Peter Pander sagt: „Stefan soll unser Trittbrett sein für die Erfolge in vier, fünf Jahren.“

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