Karim Benzema : Endlich fit, aber noch ohne Tor

Frankreichs Stürmer Karim Benzema kennt die Spanier wie kaum ein anderer Franzose im aktuellen Team. Nach einer starken Saison bei Real Madrid konnte er bei der EM bisher aber noch nicht überzeugen.

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Ball mit Köpfchen. Vor den Ideen von Frankreichs Stürmer Karim Benzema hat Viertelfinalgegner Spanien Respekt.
Ball mit Köpfchen. Vor den Ideen von Frankreichs Stürmer Karim Benzema hat Viertelfinalgegner Spanien Respekt.Foto: Reuters

Wie es sich für einen Spieler von Klasse in Spanien gehört, hat auch Karim Benzema einen Spitznamen. „El gato“, den Kater nennen sie ihn, seit José Mourinho, der eigenwillige Trainer von Real Madrid, seinen Angreifer einmal so bezeichnet hat. Benzema, so Mourinho, sei ein listiger Kater, und Gonzalo Higuain, Reals anderer Weltklasseangreifer, ein schneller Hund. Punkt.

Genauere Details zu seinen Ausführungen lieferte Mourinho nicht. Es darf aber als sicher angesehen werden, dass sich Karim Benzema über diesen Vergleich nicht geärgert hat. Ganz im Gegenteil. Es ist noch gar nicht lange her, da wäre der Franzose wohl nicht so gut weggekommen. Vor zwei Jahren noch hätte ihn sein Trainer wahrscheinlich nicht als listigen, sondern im besten Fall als mopsigen Kater bezeichnet. Mourinho und Benzema waren keine Freunde. Auf die Frage, warum Real denn nicht am Vormittag trainiere, antwortete Reals Trainer einmal: „Weil Benzema da noch schläft.“

Inzwischen hat sich ihr Verhältnis aber gebessert, so wie sich auch das Verhältnis zwischen Benzema und Frankreichs Nationaltrainer Laurent Blanc verbessert hat. In beiden Fällen liegt das in erster Linie an Benzema. Die vergangene Saison war die beste in der bisherigen Karriere des Stürmers. Für Real Madrid erzielte er in der spanischen Liga 21 Tore. Benzema war Mourinhos erste Wahl auf der Position des Mittelstürmers, noch vor Higuain, dem schnellen Hund. Es galt als keine Überraschung, dass der Angreifer für Frankreichs EM-Kader nominiert wurde. Vor zwei Jahren, bei der WM in Südafrika, hatte Benzema noch zu Hause bleiben müssen. Zu dick sei er gewesen, seine Einstellung der eines Profis nicht würdig und überhaupt: Er schoss ja kaum Tore. Benzema, der in einem Vorort von Lyon mit neun Geschwistern aufgewachsen war, wusste, dass all die Kritikpunkte der Wahrheit entsprachen. Im Alter von 22 Jahren stand er am Scheideweg seiner Karriere.

Er erkannte, dass er sich ändern musste, achtete fortan mehr auf seine Ernährung, verzichtete auf lange Partynächte und arbeitete mit einem persönlichen Fitnesstrainer. Unterstützung erhielt er dabei von Zinedine Zidane, Frankreichs Welt- und Europameister. Benzema speckte sieben Kilo ab, traf wieder ins Tor und erlangte sein Selbstvertrauen zurück. Inzwischen ist er das, was viele Fachleute zu Beginn seiner Laufbahn bei Olympique prophezeit hatten: ein Weltklasseangreifer.

In Frankreichs Mannschaft ist er die unumstrittene Nummer eins in der Offensive. Obwohl er bei dieser Europameisterschaft noch ohne Torerfolg ist, haben ihn die Spanier vor dem Viertelfinale als gefährlichsten Spieler des Gegners ausgemacht. „Karim Benzema ist einer der besten Angreifer der Welt“, sagt Ersatztorwart Victor Valdes. „Er ist enorm schnell und hat einen starken Abschluss.“ Valdes kennt den Stürmer aus vielen Duellen zwischen seinem Klub FC Barcelona und Real Madrid. Im Dezember hatte Benzema ihn schon nach wenigen Sekunden überlistet. Valdes wird heute aber nur auf der Ersatzbank sitzen, so wie er es fast immer bei der Nationalmannschaft tut. Im Tor der Spanier steht Iker Casillas, der neben Sergio Ramos, Alvaro Arbeloa und Xabi Alonso gemeinsam mit Benzema bei Real spielt. Sie alle wissen um die Stärken und Schwächen des Franzosen. Geheimnisse gibt es keine. Und natürlich kennen sie auch die Geschichte vom listigen Kater.

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