Sport : Karimi ist bei Bayern längst kein Exot mehr

Daniel Pontzen

München - Vermutlich ist es ganz gut, dass Ali Karimi bisher kein Deutsch versteht, er müsste sich sonst wahrscheinlich sehr wundern über die Deutschen und ihr seltsames Faible für Märchen. Fast immer wenn sein Name fällt, ist von tausendundeiner Nacht die Rede, und Menschen, die Karimi noch nie gesehen haben, müssen glauben, er trage eigentlich einen Turban, den er nur zum Fußball ablege. Viel mehr wird mit Iranern hierzulande offenbar nicht in Verbindung gebracht.

Karimi hat seit seiner Ankunft in München vor rund zwei Monaten immer auch ein bisschen gegen dieses Image gespielt. Nicht alle haben ihm das auf Anhieb zugetraut. Auch Uli Hoeneß war einigermaßen verdutzt, als ihm Felix Magath Anfang des Jahres den Plan vortrug, den Dribbler von Dubai zu den Bayern zu holen. Doch der Manager erfüllte dem Trainer seinen Wunsch, was auch deshalb nicht schwer fiel, weil Karimi keine Ablöse kostete, sich mit einem Einjahres-Vertrag plus Option und einem vergleichsweise bescheidenen Gehalt begnügte.

Eine gesunde Skepsis war trotzdem vorhanden. Zum einen hatten die Münchner mit Ali Daei und Vahid Hashemian bereits zwei Iraner unter Vertrag, die bei den Bayern immer ein wenig verloren wirkten. Zum anderen waren sie sich sicher, dass Karimi für die Umstellung auf die Bundesliga einige Zeit benötigen würde. Nach den Eindrücken aus den ersten beiden Spielen aber ist die Eingewöhnung bereits geglückt. Schon beim Debüt gegen Gladbach zeigte er nach seiner Einwechselung einige gute Aktionen, beim 5:2-Sieg in Leverkusen zählte er zu den stärksten Münchnern. Gegen Hertha steht er wohl wieder in der Startelf – vor Bastian Schweinsteiger und vor Zé Roberto. „Dass es so schnell geklappt hat, liegt daran, dass er sich von Anfang an voll reingehängt hat“, sagt Michael Ballack. „Und so langsam rückt er auch näher an die Mannschaft heran. Er spricht sogar schon ein bisschen Deutsch, ganz wenig zwar, aber er lernt dazu.“ Wenn Karimi über das Trainingsgelände geht, wirkt er schon jetzt wie ein Beispiel für gelungene Integration. Vor kurzem schlappte er in Flipflops und Designer-Klamotten zum Absperrgitter, kritzelte ein paar Autogramme und posierte für Fotos. Er telefonierte währenddessen, ein zweites Handy hielt er in der Hand. Das sah schon sehr FC-bayerisch aus. Und sehr unorientalisch.

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