Karl-Heinz Rummenigge und die TV-Rechte : Der Schein heiligt keine Mittel

Wenn Bayern-Chef Rummenigge über die Vergabe der TV-Rechte für die Bundesliga nachdenkt, klingt das erst einmal gefährlich. Dabei sollte man ihm vielleicht erst einmal zuhören. Ein Kommentar.

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Man wird ja wohl noch laut nachdenken dürfen, nicht wahr Herr Rummenigge?
Man wird ja wohl noch laut nachdenken dürfen, nicht wahr Herr Rummenigge?Foto: dpa

Karl-Heinz Rummenigge fürchtet, die Spitzenteams seiner Liga könnten an „internationaler Wettbewerbsfähigkeit“ verlieren. Daher sucht der Vorstandsvorsitzende des FC Bayern nach anderen Möglichkeiten für die Vergabe der Fernsehrechte.

Bisher werden diese für die Profiklubs von Bundesliga und Zweiter Liga über die Deutsche Fußball-Liga (DFL) verkauft. Vertragsende ist 2017. Rummenigge will die Zentralvermarktung zwar nicht abschaffen lassen, will aber mehr Freiheiten bei den Auslandsrechten und im Internet. Daher hat er nun beim Bundeskartellamt über die Rechtslage diskutiert und ausgelotet, ob diese solche Freiheiten bietet. Die Bayern bekommen jährlich 50 Millionen aus der Vermarktung der DFL – Trinkgeld würden sie das bei Real Madrid nennen.

In Spanien und England erhalten die Klubs deutlich mehr Fernsehgeld und können folglich auch mehr investieren. Müssen wir uns in der heißen Phase der Champions League in naher Zukunft deshalb nur noch Real gegen Chelsea oder Barca gegen Arsenal anschauen?

Vielleicht sollten die anderen Profi-Klubs in Deutschland deshalb Rummenigge erst einmal zuhören und nicht gleich verärgert reagieren, wenn der behauptet, auch in ihrem Interesse zum Kartellamt gegangen zu sein.

Natürlich könnte es auch sein, dass sich da einer als als Interessensvertreter einer Liga hinstellt und es ihm dann doch vor allem um mehr Geld für die Münchner geht. Aber das wird bei den Bayern ja auch in das allgemeine Interesse am deutschen Fußball reinvestiert. Ganz nach der Devise: wenn die Bayern stark sind, kann wenigstens ein Bundesligist in Europas Spitze mitspielen. Rummenigge sollte dann allerdings so ehrlich sein und seinen jüngsten Vorstoß auch so verkaufen. Alles andere ist scheinheilig.

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