Sport : Karlheinz Pflipsen

Wie Aachens Regisseur das Finale erlebte

André Görke

Die Fans in der Westkurve halten gelbe und schwarze Zettel in die Luft. Dazu entrollen sie ein weißes Plakat. „Eine geile Kurve für eine geile Mannschaft“ steht darauf. Das Herz dieser Mannschaft steht am Mittelkreis und hält einen Wimpel in der Hand. Es ist der Kapitän von Alemannia Aachen, Karlheinz Pflipsen. Er übergibt den Wimpel an Bremens Kapitän Frank Baumann, klatscht die Kollegen ab. Es geht los.

Olympiastadion, 20.01 Uhr. Das Pokalfinale läuft seit einer Minute, als Pflipsen das erste Mal schlecht aussieht: Er schiebt den Ball an der Mittelinie entlang, ein Bremer stört ihn, Pflipsen verliert den Ball, Bremen kontert. Doch Ailton wird gestoppt. Pflipsen trabt nach hinten – und streicht seine langen, dunklen Haare hinter die Ohren.

Pflipsen muss keinem etwas beweisen. Er ist 33 Jahre alt, hat für die Nationalmannschaft gespielt, mit Gladbach im Pokalfinale gestanden. In Aachen ist er wichtig für die jungen Spieler. Seit einer Woche wollen sie ihn nicht mehr haben. „Für die Bundesliga, nicht für die Zweite Liga“, hat Trainer Berger gesagt. „Meine Enttäuschung ist groß über die Art und Weise dieses Abschieds“, sagte Pflipsen.

Vielleicht ist er zu teuer, vielleicht gibt es andere Gründe. Pflipsen ist nicht sehr athletisch. Sein Aktionsfeld auf dem Rasen ist ein 30 mal 30 Meter großer Fleck. Greift Bremen an, meidet er Aachens Strafraum. Greift Aachen an, meidet er Bremens Strafraum. Das 1:0 für Werder nimmt er ohne Regung hin. Eine Minute vor dem Pausenpfiff schaltet er zu langsam, als Bremens Baumann neben ihm an den Ball kommt. Pflipsen überlegt, rennt los – Sekunden später steht es 0:2.

Sportlich gibt es wenige Gründe, warum er bleiben sollte. Das ist auch nach der Pause zu sehen. Pflipsen beschränkt sich auf eines: Bälle verteilen. Gefahr geht nicht von ihm aus. Überraschend fällt das 1:2 für Aachen. Das Tor nimmt Pflipsen genauso gelassen hin wie die der Bremer. Nur drei Minuten später hat Pflipsen die Chance zum Ausgleich. Er kommt im Strafraum an den Ball - und schafft es, Bremens Torhüter den Ball in die Arme zu schießen. Egal, der Schiedsrichter hatte ohnehin auf Abseits entschieden.

Die Alemannia-Fans sind aufgewacht. Pflipsen döst wieder. Erst eine Viertelstunde vor Abpfiff wird er wieder aktiv. Perfekt sieht er im Augenwinkel seinen Kollegen und schickt ihn in den freien Raum. Eine Minute später setzt er zur Grätsche an – das sind seine einzigen auffälligen Szenen an diesem Abend. Ailton verliert den Ball. Dann ist es 21.36 Uhr. Pflipsen wird ausgewechselt. Seine Zeit in Aachen ist vorbei.

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