Karlsruher SC : Profis mit Köpfchen

Zwei Spieler des Karlsruher SC studieren neben ihrem Job auch noch. Und das Studium ist für sie mehr als nur eine Nebenbeschäftigung - der Fußball alleine füllt ihr Leben nicht aus.

Christian_Eichner
Voller Einsatz. Christian Eichner vom Karlsruher SC (li.) gibt auf und neben dem Platz alles. -Foto: ddp

Christian Eichner pendelt nur ein paar hundert Meter zwischen Pädagogischer Hochschule und Wildparkstadion - und doch zwischen zwei Welten. Als Lehramtsstudent für Mathematik, Ethik und Geographie ist der Linksverteidiger des Bundesliga-Aufsteigers Karlsruher SC eine Ausnahmeerscheinung im Profifußball. Ungeachtet des sportlichen Höhenflugs beim KSC zieht der 24-Jährige sein Studium so energisch durch wie seine Flankenläufe auf der Außenbahn. "Mal ehrlich: Wenn ich einmal am Tag Training habe, dann bin ich um zwölf Uhr fertig. Das kann ich nicht jahrelang machen, da werde ich wahnsinnig", erklärt Eichner, der im siebten Semester steckt.

Ob er denn mehr Profi oder mehr Student ist? "Damit der Trainer nichts sagt, behaupte ich jetzt mal: Ich bin zu 100 Prozent Profi. Aber eigentlich bin ich zu 50 Prozent Student", sagt Eichner mit einem schelmischen Lächeln. Doch da schätzt er Edmund Becker falsch ein. Der KSC-Coach hat durchaus Verständnis für die Doppelbelastung und sieht dadurch auch die fußballerischen Leistungen nicht beeinträchtigt: "Die Trainingseinheiten bewegen sich ja in begrenztem Rahmen - wenn man es mit anderen Sportarten vergleicht. Da bleibt viel Freiraum übrig."

Theorie und Praxis

Den nutzt beim KSC neben Eichner auch Timo Staffeldt. Der 23 Jahre alte Ersatzspieler hatte schon mal an der Universität Heidelberg Sportwissenschaften studiert. "Das war 2006 dann aber einfach nicht mehr zu machen", erklärt Staffeldt. "Nun möchte ich das unterbrochene Studium in Karlsruhe weiterführen - mehr als nur als eingeschriebener Student." Eichner hat bereits Blockpraktika jeweils an einer Grund-, Haupt- und Realschule absolviert und gemerkt, dass er beruflich auf dem richtigen Weg ist: "Ich bin sehr gerne mit Kindern zusammen."

Sein Studium will Eichner auf alle Fälle beenden: "Wenn ich mal ein, zwei Semester Urlaub machen würde, dann käme ich da nicht mehr richtig rein." Den Fulltime-Job als Referendar wird er erst nach der Profizeit angehen. Bei seinen Dozenten muss der KSC-Abwehrspieler schon um Verständnis bitten, dass er öfter mal fehlt. "Aber ich hole alles nach und habe die Bücher auch im Trainingslager dabei."

Kommilitonen halten die Profis auf dem Boden der Tatsachen

Mit den Karlsruhern schwimmt Eichner derzeit auf der Erfolgswelle, doch die Gefahr, dass er abhebt, ist eher gering. "Mein Kommilitonen finden es ziemlich cool, dass ich beim KSC spiele. Aber sie helfen mir auch, auf dem Boden zu bleiben." Die Euphorie ist riesig, Eichner kann sich vor Schulterklopfern kaum retten. "Momentan ist es nicht so einfach, damit klar zu kommen." Aber ihm sei wichtig, dass seine Mitstudenten merken, "dass ich nicht der abgehobene Profi bin".

Bei den KSC-Amateuren begann Eichner einst seine Laufbahn, um sich ein bisschen Geld zu verdienen. Seine besten Freunde hat er immer noch in Studienkreisen. Und die Mitspieler? "Das sind meine Arbeitskollegen", sagt Eichner. "Wir haben ein tolles Klima in der Mannschaft und gehen auch mal zusammen essen. Aber ich muss mit denen nicht stundenlang privat zusammensitzen." (mit dpa)

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