Karlsruher SC - VfB Stuttgart : Machtwechsel im Südwesten

Der Karlsruher SC schlägt Meister VfB Stuttgart 1:0. Am Ende kam das Südwest- Derby fast einer Demütigung für die Stuttgarter gleich.

Oliver Trust
KSC
Voller Einsatz. Der KSC gewinnt gegen Stuttgart 1:0. -Foto: dpa

Karlsruhe - In der 82. Minute hörte man gar Gelächter von den Rängen. Da schoss der kleine Tamas Hajnal den Ball aus 30 Metern auf das Tor des VfB Stuttgart und Torwart Raphael Schäfer konnte den Ball rückwärts stolpernd gerade noch im letzten Moment abwehren. Der Ungar hatte in der 53. Minute schon das 1:0 erzielt, das am Ende zum Sieg des Aufsteigers Karlsruher SC über den Deutschen Meister reichte. Christian Timm hatte gesehen, dass Hajnal ohne Bewacher mitten im VfB-Strafraum stand und spielte dem Mittelfeldtechniker den Ball zu. Hajnal schob den Ball unhaltbar flach ins Netz der Schwaben. „Wir haben heute als Mannschaft gewonnen“, sagte Hajnal. Und KSC-Trainer Edmund Becker meinte: „Wir wollten nach Leverkusen ein Zeichen setzen. Da war eine gewisse Unsicherheit in der Mannschaft, die sich fragt, kann sie mithalten oder nicht?“

Sie konnte es. Vieles im Spiel des KSC schien für die Stuttgarter eine Spur zu überraschend. Zum Beispiel der Schwung, den Sebastian Freis mitbrachte. Er spielte erstmals als einzige Spitze für den bislang schwachen Edmond Kapllani. An Freis aber kann es nicht gelegen haben, dass der VfB in Hälfte eins mehr und mehr das Mittelfeld dem Gegner überließ. Vielleicht war es ein Stück Frust, weil Mario Gomez und Ciprian Marica dicke Möglichkeiten ausließen. „Uns fehlt die Zielstrebigkeit“, gestand Stuttgarts Manager Horst Heldt ein. „Nur mit Schönspielerei kommen wir nicht weiter.“

Dass sich die Karlsruher immer mehr Anteile erobern konnten, lag auch am schwachen Flügelspiel des Meisters. Weder Ludovic Magnin noch Roberto Hilbert bewirkten viel. Der VfB musste durch die Mitte kommen, und da stand der Aufsteiger ganz ordentlich. So kam es wohl, dass Mut und Zuversicht beim Außenseiter wuchsen. Als programmatisch erwies sich ein Transparent der KSC-Fans: „Die Hertha hat’s uns vorgemacht, der Meister ist nicht an der Macht.“

Der Meister tut sich sehr schwer in der noch jungen Saison. Und nun hat ihn sogar der Erzrivale in der Tabelle überholt. „Wir haben uns ähnlich wie in Berlin zu sicher gefühlt und zu wenig getan“, sagte Stuttgarts Trainer Armin Veh. „Wir hätten viel aggressiver sein müssen und viel mehr investieren müssen. So haben wir uns auswärts auskontern lassen. Keine Frage, der Saisonstart ist sehr enttäuschend.“ Oliver Trust

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