Karriere-Ende : Ditte Kotzian: Die rotierende Künstlerin

Die erfolgreiche Wasserspringerin Ditte Kotzian lebte vor allem von der Ästhetik – nun beendet die Berlinerin ihre Karriere.

Frank Bachner
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Ditte Kotzian.Foto: dpa

Es ist ein schwieriger Sprung, aber er bringt viele Punkte. Der zweieinhalbfache Auerbach-Salto gehechtet vom Drei-Meter-Brett war der letzte Auftritt von Ditte Kotzian in diesem Wettkampf. Sie sprang sauber – und sie sprang zu ihrem letzten Triumph. Bronze bei den Olympischen Spielen 2008 in Peking, mit Heike Fischer als Partnerin. Für Ditte Kotzian aus Berlin war dieser Erfolg im Synchronspringen der krönende Abschluss einer langen Karriere. Sie wusste damals noch nicht, dass er der Abschluss sein würde. Sie dachte lange nach, und seit gestern ist klar: Ditte Kotzian, die 30-Jährige, hat ihre Karriere beendet. Vor den Deutschen Meisterschaften im Kunst- und Turmspringen in Aachen verkündete sie es. „Peking war das i–Tüpfelchen auf meiner Karriere“, sagte sie.

Eine ästhetische Springerin tritt ab. Ditte Kotzian lebte immer von ihrer Ausstrahlung, sie war ihr größte Stärke. Sie ist zu groß für die extrem spektakulären Sprünge. Ditte Kotzian ist 1,77 Meter groß, zwei Köpfe größer als die meisten Konkurrentinnen, die viel schneller drehen und deshalb viel sportlicher springen können. Ditte Kotzian konterte mit Anmut. Sie sprang technisch sauber, das sowieso, sonst hätte sie nie ihre Erfolge erreichen können, aber sie strahlte Weiblichkeit aus, wenn sie über das Brett ging, um sich zum Sprung aufzustellen. Sie strahlte noch Ästhetik aus, wenn sie schon wirbelte. Und die Kampfrichter belohnten diese Form des Sports. Ditte Kotzian war viele Jahre lang in der Weltspitze, als Solospringerin oder synchron mit wechselnden Partnerinnen. Mit ihrer ästhetischen Note behauptete sie sich in der Weltspitze. Sie gewann Silber bei den Weltmeisterschaften 2005 und 2007, sie wurde 2002 zweifache Europameisterin.

Aber sie durchlebte natürlich auch Phasen mit der Sinnfrage. Vor dem strengen Trainer Jan Kretzschmar war sie 1997 für ein Jahr nach England geflüchtet. In London lernte sie von ihrer Trainerin Lindsey Fraser, „dass man trotz Leistungssport ein Leben haben kann“.

Ditte Kotzian genoss dieses Leben in Clubs und Cafes. Sie legte als DJ begeistert Platten auf, solo als „Rubina Pink“ oder mit ihrem Freund als „Ira und Zecke“. Sie benötigte diese nächtlichen Auftritte als Ausgleich zum Sport und zu ihrem Studium der Sportwissenschaft. „Sonst droht eine Kopf-Macke“, hatte Ditte Kotzian mal gesagt. Jetzt hat sie ihr Studium beendet. „Ich gehe“, sagte sie in Aachen, „mit einem Gefühl der Zufriedenheit.“ Frank Bachner

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