Karriere-Ende : Olympiasieger als Auslaufmodell

Maurice Greene beendet seine Karriere als Sprinter. Der Weltrekordhalter will sich künftig seiner Familie widmen.

Friedhard Teuffel

Berlin - Die höchste Auszeichnung hatte sich Maurice Greene selbst verpasst – den Schriftzug „GOAT“ auf seinem Oberarm, er steht für „Greatest of all time“. Ob Maurice Greene diese Tätowierung nun entfernen lässt? Die Zeit läuft schließlich weiter, Greene aber nicht. Gestern hat der ehemalige Olympiasieger und Weltrekordhalter im Sprint bekannt gegeben, dass seine Laufbahn am Ende ist. Dafür hat der Amerikaner nicht irgendeinen Ort gewählt, sondern Peking. Dort hatte er im August eigentlich noch einmal Olympiasieger werden wollen – mit dann 34 Jahren. Aber sein Körper lässt ihn nicht mehr schnell genug rennen. „Ich ertrage den mentalen Kampf einfach nicht mehr, mich nach Verletzungen immer wieder aufzuraffen. Das kostet sehr viel Kraft“, sagte er.

Vielleicht besteht Maurice Greene aber auch auf seinem Titel und klammert sich dabei an eine besondere Zahl: 52. So häufig hat er in seiner Karriere die 100 Meter schneller als in zehn Sekunden zurückgelegt. Das hat noch keiner geschafft. Nur ein Vergleich: Carl Lewis meisterte gerade einmal 15 Rennen unter zehn Sekunden.

Den Titel „schnellster Mann der Welt“ hatte sich Greene gleich durch vier große Siege verdient: Dreimal wurde er Weltmeister über 100 Meter, 1997, 1999 und 2001 und in Sydney 2000 auch Olympiasieger. Als er 1999 in Athen mit 9,79 Sekunden den Weltrekord aufstellte, unterbot er die bestehende Bestmarke des Kanadiers Donovan Bailey gleich um fünf Hundertstel.

Inzwischen ist Greene jedoch ein paarmal überholt worden, unter anderem von seinen Landsmännern Tim Montgomery und Justin Gatlin. Beiden wurden ihre Weltrekorde allerdings wegen Dopings wieder aberkannt. Auch der Jamaikaner Asafa Powell rannte an Greene vorbei. Powell hält derzeit den Weltrekord mit 9,74 Sekunden.

In gewisser Weise ist Greene immerhin der Letzte seiner Art. Als er lief, war die Sensibilität für Doping noch nicht besonders ausgeprägt, und gerade in den Vereinigten Staaten fand der Kampf gegen den Betrug noch mit Spielzeugwaffen statt. Den fehlenden Gegenwind nutzte Greene, um sich auch den Meistertitel im Sprücheklopfen zu sichern. „Wenn ich ein perfektes Rennen mache, wird es den Leuten das Gehirn davonblasen“, hat er einmal gesagt. So redet in den Zeiten des Zweifels kein Sprinter mehr.

In Zukunft will Greene für seine Familie und seine Freunde Grillpartys organisieren. Vielleicht gibt es da auch Weltrekorde zu brechen. Friedhard Teuffel

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