Karriereende aufgeschoben : Jupp Heynckes sagt niemals nie

Jupp Heynckes zieht sich als Trainer zurück und wird erst einmal Urlaub machen. Ein endgültiges Karriereende aber will der 68-Jährige noch nicht bekannt geben.

Elisabeth Schlammerl
Merci sag i. Jupp Heynckes verabschiedete sich nach einer historischen Saison mit einer emotionalen Vorstellung vom FC Bayern.
Merci sag i. Jupp Heynckes verabschiedete sich nach einer historischen Saison mit einer emotionalen Vorstellung vom FC Bayern.Foto: AFP

Er ist also doch noch einmal zurückgekommen in die Münchner Arena, gut drei Wochen nach dem letzten Auftritt dort mit der Mannschaft des FC Bayern München. Es schien Jupp Heynckes der angemessene Ort, um am Dienstag über seine Zukunft sprechen, die Zeit nach dem FC Bayern München, die gerade eben begonnen hat. Der 68 Jahre alte Triple-Trainer wird sie zunächst nicht auf dem Fußballplatz verbringen, sondern auf seinem spanischen Bauernhof im Schwalmtal bei Frau Iris und Hund Cando. „Ich werde erst einmal in Urlaub gehen und weder im Inland noch im Ausland ein Engagement eingehen“, verkündete er und beendete damit Spekulationen, wonach er die Nachfolge von José Mourinho bei Real Madrid antreten werde. Bereits nach dem verlorenen „Finale dahoam“ vor einem Jahr hatte er seiner Frau versprochen, dass er sich in diesem Sommer zurückziehen werde. „Ich habe meinen Beruf immer vor das Privatleben gestellt“, sagte er mit brüchiger Stimme. „Aber es gibt auch ein Leben nach dem Berufsleben.“

Es fiel ihm zwischendurch schwer, nicht wankelmütig zu werden. Heynckes ist sicher kein eitler Trainer, der nach ständiger Bestätigung giert und schon allein deshalb nicht loslassen kann vom Fußball. Aber die Erfolge in den vergangenen Monaten, dass er den FC Bayern und sich selbst modernisiert hat, haben ihn für andere Klubs interessant werden lassen, trotz seiner 68 Jahre. Er habe viele Anfragen bekommen, aber gereizt hätte ihn wohl nur ein Verein: Real Madrid. Am Ende siegte die Vernunft. „Ich habe in den letzten Wochen gemerkt, dass ich schon ein gewisses Alter habe, in dem man die Strapazen spürt und die Regeneration länger dauert“, gab Heynckes zu.

Ein Hintertürchen lässt er allerdings offen. „Ich habe persönlich etwas gegen das Wort endgültig“, sagt er. Aus eigener Erfahrung weiß Heynckes, dass manchmal doch wieder alles anders kommen kann. Er hatte sich schon ein paarmal vermeintlich in den Ruhestand verabschiedet und war dann doch wieder aufgetaucht. Das Vierwochen-Engagement in München, das 2009 seine bisher letzte und erfolgreichste Trainer-Ära einleitete, basierte auf einem Zufall. Heynckes war an jenem Wochenende, an dem die Bayern Jürgen Klinsmann entließen, bei seinem Freund Uli Hoeneß zu Besuch und rückte dadurch erst in den Fokus für die Interimsnachfolge.

Dass Jupp Heynckes bereits den ersten Schritt ins Privatleben gemacht hatte, war an seiner Kleidung zu sehen. Nicht wie sonst oft in der jugendlichen Kapuzenjacke des Ausrüsters oder dem offiziellen Klubanzug nach Champions-League-Spielen trug er dieses Mal ein graues Sakko, das nicht aus der Vereinskollektion stammte. Rechts von ihm waren noch einmal die drei Trophäen aufgereiht, die er später persönlich in der Erlebniswelt des Münchner Stadions ablieferte, als letzte Amtshandlung. „Ich bin überzeugt, dass der FC Bayern auch mit meinem Nachfolger Pep Guardiola in den nächsten Jahren große Erfolge haben wird“, sagte er. Flankiert war Heynckes bei seinem letzten Auftritt in München von den Granden des FC Bayern. Präsident Uli Hoeneß lobte den Gemeinsinn, der in der Mannschaft dank Heynckes entstanden ist. „Er hat alle 25 Spieler zu Freunden gemacht.“ Der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge sprach davon, „unendlich dankbar“ dafür zu sein, „was Jupp mit seinem Trainerteam da bewältigt hat“.

Noch nie zuvor hatte sich ein Bayern-Trainer zum Abschied so ausgiebig und zum Teil emotional geäußert. Heynckes gab Anekdoten aus seinen insgesamt drei Amtszeiten in München seit 1987 preis und ließ am Ende Rheinischen Sauerbraten, sein Lieblingsgericht, auftischen. Immer wieder sprach er von „meiner Mannschaft“ und „meinen Spielern“. Bei seiner Dankesrede, die länger als die wortreich eingeleitete Ankündigung seines Rückzugs dauerte, vergaß er niemanden im und um den Verein, auch nicht Sportvorstand Matthias Sammer. Das Verhältnis war kein inniges geworden in diesem Jahr, und daraus machte Heynckes keinen Hehl. „Ich denke, dass wir professionell zusammengearbeitet haben, dass er ein Stück des Ganzen ist und war“, sagte er nüchtern.

Ganz anders empfindet er für Uli Hoeneß, „zu dem ich blindes Vertrauen habe“. Er sei auch in Zeiten, „in denen es mir nicht gut ging, immer für mich da gewesen“. Anders herum ist es wohl genauso. Ohne auf die Steueraffäre einzugehen, sprach Heynckes mit stockender Stimme von einer „Freundschaft, die in den letzten Wochen noch viel wertvoller geworden ist“. Und das hatte wohl nicht nur mit den drei Titeln zu tun.

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