Karriereende : Herrlich unkompliziert

Helen Ruwald verabschiedet Kati Wilhelm, die Ende März mit Biathlon Schluss macht.

Helen Ruwald
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Kati Wilhelm -Foto: dpa

Kati Wilhelm versteht es, ihre Mitmenschen immer wieder zu verblüffen. Nicht nur mit wilden Haarkreationen in Rottönen aller Art, sondern auch mit Anekdoten und Geständnissen nach schwachen Rennen. So erzählte die 33-Jährige im Januar beim Weltcup in Oberhof, dass sie einfach nicht richtig laufen könne. „Ich bin extrem, ich verlerne es immer wieder“, sagte sie und berichtete detailliert vom Videostudium über Weihnachten, bei dem sie kopfschüttelnd feststellte, dass die linke Hüfte völlig verkehrt stand. Tags darauf gab sie keine Lauf-, sondern Denkfehler zum Besten: Sie hatte den falschen Schießstand gewählt und kämpfte mit Wind und Gewehr, während die Fans zwei Meter daneben sie nonstop mit guten Ratschlägen überhäuften.

Gestern hat Kati Wilhelm angekündigt, dass sie nach dem letzten Saisonrennen Ende März ihre Karriere beenden wird und sich künftig auf ihr Studium konzentrieren möchte. Im Hype um Magdalena Neuner war auch die Thüringerin zuletzt nur Statistin. Doch die dreifache Olympiasiegerin und fünffache Weltmeisterin zählt trotz der fehlenden Einzelmedaille von Vancouver immer noch zu den Stars der Szene. Sie überzeugt nicht nur durch Leistung, sondern weil sie so herrlich unkompliziert und geradlinig ist, keine Phrasen von sich gibt und über sich selbst den Kopf schütteln kann. Sie ist authentisch geblieben – auch deshalb dürfte sie 2006 zur Sportlerin des Jahres gewählt worden sein. Mit ihrem Abschied geht nicht nur dem Biathlon, sondern dem gesamten Wintersport eine Persönlichkeit verloren.

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