Karriereende : Kirsten Bruhn will Abschied nehmen

Mit den ganz großen Auftritten ist nun Schluss: Die WM in Montréal war für die erfolgreiche Paralympics-Sportlerin Kirsten Bruhn der letzte Wettkampf auf Weltniveau. Die 43-jährige Schwimmerin holte noch zweimal Gold - nun soll das Privatleben im Vordergrund stehen.

Foto: dpa

Wehmut kam bei Kirsten Bruhn nicht auf. Vielmehr genoss die 43-Jährige Schwimmerin, eine der bekanntesten und erfolgreichsten deutschen Behindertensportlerinnen, ein letztes Mal die WM-Atmosphäre in vollen Zügen. Zumal ihre unnachahmlichen Armzüge im Becken von Montréal der Blondine auch noch zwei Weltmeistertitel brachten. „Die Zeit war schön und ich bin sehr dankbar. Die beiden Medaillen bedeuten einen schönen und kaum besseren Abschied von der Weltkonkurrenz als ich ihn mir hätte wünschen können und schon gar nicht erwartet habe“, sagte Kirsten Bruhn nach ihrem letzten Auftritt auf großer Bühne in einem Interview der Nachrichtenagentur dpa. Sie will an keinen Paralympics und Weltmeisterschaften mehr teilnehmen. Ihr letzter Auftritt soll die EM 2014 sein.

Jetzt will sich „Brunhilde aus Neumünster, ganz oben in Schleswig-Holstein“, so Kirsten Bruhn über sich selbst, mehr dem Privatleben widmen und nach neuen Herausforderungen suchen: „Nun kommen andere Aufgaben in meinem Leben, die sicher nicht weniger aufregend und herausfordernd sind.“ Ihr WM-Happy End mit Gold über 100 Meter Brust und 100 Meter Rücken konnte sich sehen lassen. Die dreimalige Paralympicssiegerin, die
wegen einer inkompletten Querschnittslähmung seit 1991 im Rollstuhl sitzt, trug damit maßgeblich zur deutschen WM-Erfolgsbilanz bei. Die deutschen Behindertensportler holten fünfmal Gold, je sechsmal Silber und Bronze und landeten damit in der Nationenwertung auf Rang zwölf.

Sie haben dem Schwimmen viel zu verdanken, sagte Kirsten Bruhn. Es gab ihr neuen Lebensmut, durch den Leistungssport fühlte sie sich wieder lebendig. „Es hat mir immer Selbstvertrauen und Bestätigung gegeben. Ganz besonders in meinem Leben mit meiner Behinderung. Es war immer ein Stück Normalität und somit Parallele zu meinem so sehr geliebten und genossenen Leben ohne Behinderung“, offenbarte sie.

1991 wollte sie ein Grafikdesign-Studium in Hamburg beginnen. Doch ein schwerer Motorradunfall auf der griechischen Insel Kos machte ihre Pläne zunichte. Zehn Jahre lang dauerte Kirsten Bruhns Kampf zurück in ein neues Leben und die Trauerbewältigung um das, was verloren und nicht mehr möglich schien. „Doch irgendwann begriff ich, dass ich mich darauf konzentrieren muss, was ich noch kann und was sich weiter entwickeln lässt“,
erzählte sie in dem Kinofilm „Gold“, der das Leben von drei gehandicapten Sportlern nachzeichnet.

Goldene Momente hat Kirsten Bruhn viele erlebt. Dreimal gewann sie paralympisches Gold, siebenmal wurde sie Weltmeisterin, fünfmal Europameisterin und unglaubliche 92 Mal deutsche Meisterin. Dazu kamen bisher 65 Welt- und 76 Europarekorde und zahlreiche Auszeichnungen: 2012 erhielt sie den Bambi in der Kategorie Sport, dreimal das „Silberne Lorbeerblatt“, viermal wurde sie zur Sportlerin des Jahres in Schleswig-Holstein gewählt. Ihre Klasse wird der deutschen Mannschaft gewaltig fehlen.

„Es gibt kein Comeback, das ist nicht mein Ding“, hatte Kirsten Bruhn bereits nach ihrem dritten Paralympics-Gold in London 2012 angekündigt. Sie will sich im Behindertensport weiter engagieren. Dabei liegt besonders eine bessere Nachwuchsförderung am Herzen. Bislang hält sie Motivationsvorträge und gibt Tipps, wie man Herausforderungen meistern kann: „Du bist, was Du denkst“, so Bruhn. „Ich habe gelernt, mich nicht über meine Behinderung zu definieren, sondern über das, was ich zu leisten imstande bin. Und den Gedanken folgt die Tat.“ dpa

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