• Kassel 8, Deutschland 4 - Bundestrainer Zach arbeitet zweigleisig für das deutsche Eishockey

Sport : Kassel 8, Deutschland 4 - Bundestrainer Zach arbeitet zweigleisig für das deutsche Eishockey

Michael Klein

Einen Moment lang hatte man am Donnerstag im ersten Spiel der Olympia-Vorqualifikation in Ljubljana das Gefühl, als wäre es bei der deutschen Eishockey-Nationalmannschaft ganz so wie in alten Zeiten. Den ersten Treffer gegen Jugoslawien erzielte Len Soccio, der in St. Catherines/Kanada zur Welt kam, auf Vorarbeit des im ebenfalls kanadischen Revelstoke geborenen George Zajankala. Das zweite Tor machte Jan Benda, der aus Reet in Belgien stammt, die Vorlage besorgte Mark MacKay, seinem Geburtsort Brandon nach ebenfalls Kanadier. Vier Spieler also, die auf die ein oder andere Art nachträglich die deutsche Staatsbürgerschaft erlangten, ganz so wie es früher Tradition war. Brad Bergen, Jayson Meyer, Benoit Doucet, Ron Fischer, Rick Amann, Harold Kreis, Karl Friesen oder Mike Schmidt waren jahrelang Leistungsträger der Nationalmannschaft, deutsch waren sie bei Geburt allesamt noch nicht, aber sie wurden eben gebraucht zur Erhaltung des Niveaus in der Auswahl des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB).

Am Ende des Abends jedoch war alles wieder im Lot beziehungsweise eigentlich aus demselben: 14:0 stand es gegen Jugoslawien, noch wichtiger aber: 8:6 zwischen Kassel und dem Rest Deutschlands. Acht Treffer und 16 Scorerpunkte verbuchten die sechs Feldspieler der Huskies, die 14 anderen aus elf Vereinen brachten es auf sechs Tore und 14 Punkte. Und genau das ist auch die einzige Erkenntnis der Jugoslawien-Partie: Eishockey-Deutschland im Jahr 2000 ist nahezu vollständig auf einen Klub, namentlich die Kassel Huskies, angewiesen. Hans Zach, der neben der Nationalmannschaft auch die Hessen trainiert, hat zwölf Deutsche für den Spielbetrieb der Deutschen (!) Eishockey-Liga lizenziert und allesamt auch eingesetzt und liegt damit um Längen vor der Konkurrenz. Das tut er weitestgehend auch in der Tabelle: Die Huskies sind zwölf Spieltage vor Ende der Punkterunde Dritter mit 17 Zählern Vorsprung auf den Neunten, und dabei schien selbst ein Play-off-Platz für sie völlig illusorisch.

"Was Kassel für das deutsche Eishockey macht, ist überhaupt nicht zu bewerten", urteilt auch Sportdirektor Franz Reindl, "das ist praktisch der Verbandsstützpunkt." In der Tat tut Zach mit seinem Engagement in Kassel wahrscheinlich mehr für die Nationalmannschaft, als er es beim DEB tun kann. Und dabei trennt er beide Aufgaben auf ganz beachtliche Art. "Sein" Daniel Kreutzer verletzte sich gegen Jugoslawien am Innenband. Die Frage, wie lange er denn ausfalle, beantwortete Zach wie folgt: "Für die Spiele gegen Slowenien und Italien halt, zur B-WM ist er wieder fit. Kassel interessiert mich überhaupt nicht, mit den Huskies geht es am Sonntag um 23 Uhr weiter, erst dann frage ich, wie lange er mir im Verein fehlt."

Seinen nach der B-WM im April auslaufenden Vertrag beim DEB hat Zach noch nicht verlängert, er gibt unumwunden zu, dass das Abschneiden in Ljubljana in jedem Fall Auswirkungen auf seine Entscheidung haben wird. "In Kassel habe ich ja gerade erst um zwei Jahre verlängert, und da werden auch Deutsche spielen. Damit habe ich meine Aufgabe, da kann ich etwas bewegen, das ist mir Befriedigung genug. Ich brauche die Nationalmannschaft nicht." Es sieht aber ganz so aus, als braucht die Nationalmannschaft ihn und seine Huskies.

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