Sport : Katarina Hartenstein: Mit 39 Jahren fängt das Leben an

Hartmut Moheit

Lange nachdenken muss Katarina Hartenstein nicht. "Mit 39 Jahren bin ich fertig", sagt sie, "wenn alles gut geht." Dann überlegt sie einen Augenblick, als würde ihr plötzlich bewusst werden, wie lange das noch ist, und bestätigt ihre Prognose noch einmal. "Jetzt bin ich 29, etwa noch zehn Jahre Ausbildung sind normal." Eine sehr lange Zeit für eine junge Frau, bis sie das erste Mal "so richtig" Geld verdienen wird. Als Ärztin, so wie es von Kindheit an ihr Traum war. "Das Thema Handball wird sich dann aber längst erledigt haben", betont die Rückraumspielerin vom Zweitbundesligisten BVG 49, die heute mit ihrem Team gegen Cupverteidiger HC Leipzig (19.30 Uhr/Anton-Saefkow-Platz) im DHB-Pokal antreten wird. Im Moment jedoch braucht sie ihren Sport nicht nur als "liebstes Hobby", sondern vor allem auch, um finanziell über die Runden zu kommen. Katarina Hartenstein arbeitet jeden Tag an ihrer Doktorarbeit ("Die thermische Bandstraffung zur Behandlung der Kreuzband-Elongation"), wird wohl ab Mitte November in der Unfallklinik Marzahn ihre 18 Monate als Ärztin im Praktikum beginnen und möchte auch in ihrem Sport noch einiges erreichen. "Ich spiele gern Handball, sonst würde ich diesen Aufwand so nicht betreiben", erzählt die einstige GutsMuths-Spielerin, von der BVG-Trainer Rüdiger Bones meint: "Wenn sie als Jugendliche bei mir trainiert hätte, wäre aus ihr im Sport wohl sehr viel mehr geworden." Katarina Hartenstein besitzt alle Veranlagungen für eine überdurchschnittliche Handballerin. "Ich wäre früher gerne in eine Sportschule gegangen", bestätigt sie, "aber die gab es im damaligen Westberlin nicht."

So blieb der Ehrgeiz, mit ihren Freundinnen im Sport in erster Linie viel Spaß zu haben, ansonsten jedoch den Kindheitstraum - den der Großvater als Kinderarzt bestimmt hatte - zu verwirklichen. "Es geht schon irgendwie. Da ist auch egal, ob wir in der Ersten oder in der Zweiten Liga spielen, mehr trainieren können wir eigentlich nicht mehr." Das Tagespensum von Katarina Hartenstein, die bei BVG 49 im rechten Rückraum die Position der nach Dänemark gewechselten Chinesin Chao Zhai eingenommen hat, ist ohnehin schon proppenvoll. "Ein Jahr in der Ersten Liga würde ich schon verkraften, sozusagen als Höhepunkt und vielleicht sogar als Abschluss im Leistungssport", erzählt die 1,82 m große Berlinerin.

Wenn es für sie auf internationalem Parkett auch nie zum Durchbruch gereicht hat, in diesem Jahr gab es doch eine Medaille. Mit dem deutschen Beachhandball-Team gewann sie in Italien Silber. "Ist doch auch nicht schlecht", meint Katarina Hartenstein, "denn es hat dort vor allem Spaß gemacht." Spaß, das scheint es zu sein, was ihr Leben begleitet. "Mir wäre es schon lieber, wenn Katarina auch mal ihren Mitspielerinnen gegenüber kritischer sein würde", sagt zwar Rüdiger Bones, aber ein Trainer sieht eben zuerst seinen sportlichen Bereich.

Katarina Hartenstein denkt weiter, möchte ihre Kräfte eher gleichmäßig verteilen. Die kommende Zeit in der Unfallchirurgie ("Eine der letzten Männer-Domänen in der Medizin"), eine Familie mit Kindern und der Job als Ärztin im Ausland, das alles soll folgen. Mit der Konzentration auf nur eine Sache klappt möglicherweise die andere nicht. Durchhalten heißt die Devise. Mit 39 Jahren fängt das Leben für sie ja erst "richtig" an.

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