Sport : Katastrophale Buchhaltung

Warum Dirk Nowitzkis Manager in Untersuchungshaft sitzt

Stefan Mantel[Würzburg]

Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Hof gegen den Manager des Basketballstars Dirk Nowitzki wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung dauern an. Weiterhin steht ein Absicherungsvertrag zwischen Holger Geschwindner und Nowitzki aus dem Jahre 1996 im Fokus der Ermittler. Demnach soll der 59-Jährige aus der Beziehung mit dem in den USA zum mehrfachen Millionär gewordenen Profi-Basketballer der Dallas Mavericks finanzielle Vorteile gezogen haben, die er nicht versteuert haben soll.

Diesen Vorwurf wies Geschwindners Anwalt Dieter Hoffmann am Montag nach einem Treffen mit seinem Mandanten in Hof erneut zurück. „Herr Geschwindner sowie Dirk Nowitzki haben sowohl der Staatsanwaltschaft als auch der Ermittlungsrichterin meiner Ansicht nach glaubhaft darlegen können, dass dieser Vertrag nie aktiviert wurde“, sagte der Jurist. Stattdessen verdeutlichte der Verteidiger, warum womöglich die Justiz aufmerksam geworden ist. „Herr Geschwindner ist auf eine positive Art ein Sportverrückter, der bis zur Selbstaufgabe alles für seinen Schützling machen würde“, sagte Hoffmann, „das Einzige, was er nicht gemacht hat, ist das Ganze buchhalterisch festzuhalten.“

So habe der ehemalige Rekord-Nationalspieler beispielsweise zwar Belege für angefallene Fahrtkosten gesammelt, aber nirgends verbucht. „Die Buchhaltung ist in einem katastrophalen Zustand“, erklärte Dieter Hoffmann, „genauer gesagt: Es gab sie nie.“ Er und sein Mandant wollen nun zur Klärung der Vorwürfe beitragen.

„Wir haben der Staatsanwaltschaft angeboten, die Belege, die sie zusammengetragen hat, Ordner für Ordner durchzugehen und zuzuordnen“, sagte Hoffmann. Er räumt ein, dass die Quittungen zusammen mit dem bei Geschwindner vorgefundenen Vertrag die Verdachtsmomente der Staatsanwaltschaft durchaus genährt haben könnten. „Aber Herr Geschwindner hat all seine Einkünfte richtig angeben und nicht an den Einnahmen von Herrn Nowitzki partizipiert“, sagte Hoffmann.

Dennoch wird Geschwindner vorerst in Untersuchungshaft bleiben. Die von Hoffmann bereits am Donnerstag eingereichte Haftbeschwerde wurde erst am Montag der Staatsanwaltschaft vorgelegt. Eine Haftprüfung wird wohl erst gegen Ende der Woche erfolgen. „Ein Unding“, sagte Hoffmann.

Holger Geschwindner hatte Dirk Nowitzki im Sommer 1995 in einer Schweinfurter Sporthalle zum ersten Mal Basketball spielen sehen. Danach nahm der Inhaber einer Projektmanagement-Firma nicht nur dessen sportliche Ausbildung frühzeitig in die Hand. Bereits als ihm der FC Barcelona 1997 ein Vertragsangebot unterbreitete, sagte Nowitzki: „Die Einzelheiten weiß nur der Holger Geschwindner.“

Bis zum heutigen Tag prägen Offenheit und Vertrauen das Verhältnis zwischen beiden. So fädelte Geschwindner 2002 für Nowitzki den 90-Millionen-Dollar-Deal mit den Dallas Mavericks ein, auch zahlreiche Werbeverträge gehen auf seine Vermittlung zurück. All dies hat Geschwindner nach früheren Aussagen ohne finanzielle Gegenleistung getan. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft, die sich gestern nicht äußern wollte, gehen offenbar vom Gegenteil aus.

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