Sport : Kater vor dem Fest

Deutschlands Handballer tun sich schwer beim Aufbau des WM-Teams für 2007

Erik Eggers[Flensburg]

In jedem Abschied steckt auch ein Anfang. Nach Platz zwei bei den Olympischen Spielen in Athen trat mit Zerbe, Schwarzer, Dragunski, Petersen und Kretzschmar eine ganze Spielergeneration aus der deutschen Handball-Nationalmannschaft zurück. Das sollte nicht nur das Ende einer großen Mannschaft markieren, sondern auch den Aufbruch zur Weltmeisterschaft 2007 im eigenen Land. Ein großes Fest will der Deutsche Handball-Bund (DHB) dann feiern, „die beste WM aller Zeiten“, wie DHB-Präsident Ulrich Strombach sagt. Die organisatorischen Planungen für das Großereignis laufen allmählich an, aber beim Neuaufbau der Nationalmannschaft geht einiges daneben. Verletzungsbedingte Absagen und Niederlagen prägen das Bild. Von einer „seltsamen Fügung im Augenblick“ sprach Bundestrainer Heiner Brand nach der 24:25-Niederlage gegen den WM- Dreizehnten Dänemark am Dienstag in Flensburg. Es war der missratene Abschluss einer Testserie innerhalb von fünf Tagen, in denen der Mannschaft in vier Spielen kein Sieg gelang.

Das ist keine Momentaufnahme, sondern ein länger anhaltendes Phänomen. Seit November, als mit dem World-Cup in Schweden die ersten Tests anstanden, hat Brand noch kein einziges Mal jene Mannschaft versammeln können, die ihm gedanklich vorschwebt für 2007. Schon bei der WM in Tunesien, als Deutschland nur den neunten Platz belegte, fehlten ihm erfahrene Führungsfiguren wie Daniel Stephan und Markus Baur. Florian Kehrmann beklagte vor der letzten Testserie ein Problem am Knie und verließ den Lehrgang wieder. Christian Zeitz sagte wegen einer Schulterverletzung ab, Holger Glandorf, zog sich vor dem Vierländerturnier in Paris einen Bänderriss zu. In Frankreich verletzten sich noch Sebastian Preis, Pascal Hens und Oleg Velyky. Die Saison 2004/2005 war für den Bundestrainer ein verlorenes Jahr.

Nun kommt auch noch aus der Bundesliga die Klage, Brand belaste einige Nationalspieler zu sehr. So unterstellte der HSV Hamburg vor dem Spitzenspiel am Dienstag gegen den THW Kiel (24:25), das parallel zum Länderspiel stattfand, die Bänderverletzung von Hens sei vor allem auf die Länderspiel-Einsätze zurückzuführen. „Unsere Spieler kommen immer verletzt und ausgelaugt zurück“, monierte Präsident Andreas Rudolph, und Trainer Bob Hanning überlegte gar laut, die Hamburger Nationalspieler vor wichtigen Spielen nicht mehr abzustellen. Es werden noch turbulente Zeiten bis zur WM 2007.

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