Sport : Kaufmann, bleib bei deinen Leisten Wie der Hamburger SV sein

Millionen-Defizit beseitigt

Karsten Doneck

Hamburg. Die Videovorführung klappte nicht so recht, die Leinwand blieb anfangs schwarz. Bernd Hoffmann überspielte die technische Panne, wie es Harald Schmidt kaum besser gekonnt hätte. „Was Sie hier sehen, ist das erste Drittel der Saison“, sagte Hoffmann. Der Vorstandsvorsitzende des Hamburger SV hatte auf der Mitgliederversammlung des Fußball-Bundesligisten bei der Vorführung des Rückblicks auf die Saison 2002/03 die Lacher auf seiner Seite. Schließlich war der HSV seinerzeit beängstigend schlecht gestartet, viele sahen schwarz für den Klub. Doch das Lachen verging den HSV-Treuen bald. Als nämlich später die wirtschaftliche Seite beleuchtet wurde. 14,5 Millionen Euro Miese hat der HSV in jener Saison gemacht, ein Rekordminus in der Geschichte des Klubs. Nun gelten die Hamburger ja gemeinhin als kühl rechnende Kaufleute. Bernd Hoffmann stellte also fest, man müsse doch nur die Ausgaben kürzen und die Einnahmen erhöhen und alles werde sich bessern. Seither wird beim HSV gehandelt – im Kleinen wie im Großen.

Da entwarf der Klub T-Shirts, in Marineblau, vorne wahlweise mit der Aufschrift „HSV“ oder „Hamburg“, dazu das Stadtwappen in Rot und das Vereinssymbol, die Raute. Das Textil fand reißenden Absatz. Zur Saisoneröffnung gegen Hannover 96 (0:3) ging das 25 000. Shirt über den Verkaufstisch, an den extra eingerichteten Ständen in der AOL-Arena herrschte ein Gedränge, wie es sich manches Kaufhaus im Sommerschlussverkauf wünscht. Der vom HSV für die T-Shirts erzielte Umsatz: 375 000 Euro.

Lukrativer Pokalsieg

Wie überhaupt der Vermarkter „Sportfive“ beim HSV ganze Arbeit leistet. Allein aus dem Marketingbereich fließen 19,3 Millionen Euro in die Kasse, knapp zwei Millionen mehr als im Vorjahr. Dass in letzter Minute mit der Fondsgesellschaft Adig-Investment auch ein Trikotsponsor aufgetrieben wurde, bessert die Bilanz ebenfalls. 4,7 Millionen Euro lässt sich die Tochtergesellschaft der Commerzbank den Spaß kosten. Der Vertrag läuft über ein Jahr, zunächst mal.

Sehr gelegen kam dem HSV der Gewinn des Ligapokals. 1,28 Millionen Euro an Prämien nahm der HSV aus diesem Wettbewerb mit. Die Erschließung neuer Einnahmequellen ist aber nur die eine Seite, um die Bilanz auszugleichen. Die andere heißt: Ausgaben kürzen. Diese Sparform bedingt schmerzliche Einschnitte. Deshalb gingen die HSV-Verantwortlichen mit gutem Beispiel voran. Die vier hauptamtlichen Vorstandsmitglieder – neben Hoffmann, der angeblich 650 000 Euro pro Jahr verdient, sind das Dietmar Beiersdorfer, Katja Kraus und Christian Reichert – verzichteten auf acht Prozent ihres Gehalts. So ließ sich gegenüber den Profis besser argumentieren. Die Balltreter müssen nämlich in der Hinrunde auf Prämien verzichten, im Winter wird neu verhandelt. Einsparung: rund 1,5 Millionen Euro.

Trotzdem: Vieles geht nach wie vor nicht beim HSV. Die seit langem vorgesehenen vorzeitigen Vertragsverlängerungen mit den Leistungsträgern Mehdi Mahdavikia und Tomas Ujfalusi verzögern sich. Grund: Der Verein kann derzeit keine finanziell lukrativen Angebote unterbreiten. Der Argentinier Cristian Ledesma, der in Hamburg krass enttäuschte, aber dort bis 2007 unter Vertrag steht, wurde an den AC Monterry nach Mexiko ausgeliehen. Ohne Leihgebühr, aber der HSV spart ein Jahresgehalt, macht rund 800 000 Euro. Ledesma ist übrigens noch in Werner Hackmanns Amtszeit verpflichtet worden, als der HSV nicht gar so knauserig war: Er kostete vier Millionen Euro Ablöse.

Ziel des HSV ist es, bis zum Ende der Saison 2003/04 wieder ein kleines Plus zu erwirtschaften. Bernd Hoffmann sagt: „Wenn uns das gelingt, wäre das ein Husarenritt.“

0 Kommentare

Neuester Kommentar