Sport : Kaum noch Proteste gegen die Sportfusion

Christian Tretbar

Mainz - Der Widerstand gegen die Fusion des Deutschem Sportbunds (DSB) mit dem Nationalen Olympischen Komitee (NOK) schwindet. Das ist das Ergebnis der Konferenz der Landessportbünde in Mainz. „Ich glaube, dass wir jetzt eine Mehrheit für die Fusion bekommen“, sagte Ekkehard Wienholtz, Sprecher der Landessportbünde, dem Tagesspiegel. Insbesondere beim Zeitplan ist die DSB-Führung den Landessportbünden entgegengekommen. So wird es jetzt vor dem entscheidenden Bundestag am 10. Dezember in Köln, auf dem die Mitglieder über die Fusion befinden, eine außerordentliche Hauptausschusssitzung geben. Das ist sozusagen eine kleine Vollversammlung des DSB mit Landessportbünden und Spitzenverbänden. Auf der Sitzung Ende November in Frankfurt am Main können Änderungsanträge zum Satzungsentwurf beraten werden.

Selbst die Hardliner begrüßen diesen Schritt. „Das erhöht die Transparenz im Diskussionsprozess“, sagte Rolf Müller, Präsident des Landessportbundes Hessen. „Ich freue mich, dass der DSB die Brücke genutzt hat, die wir gebaut haben.“ Dennoch lehnt Müller die Fusion unter den bisherigen Voraussetzungen weiter ab, weil die Macht der Landessportbünde zu sehr beschnitten werde.

Eine einheitliche Position der Landessportbünde gegen die Fusion zeichnet sich nicht mehr ab. Damit ist es wahrscheinlicher, dass auf der Vollversammlung des DSB die für einen Zusammenschluss nötige Zweidrittelmehrheit zustande kommt. Viele sehen ein, dass es im neuen Verband eine Sperrminorität der Landessportbünde bei Fragen des Breitensports nicht geben wird. Die Landessportbünde, bisher mit viel Macht im DSB ausgestattet, sollen in der neuen Vollversammlung 33,5 Prozent der Stimmen erhalten. Eine Sperrminorität soll ihnen nur bei der Festsetzung der Mitgliedsbeiträge eingeräumt werden. Sie bekommen zudem einen weiteren Sitz im Präsidialausschuss Leistungssport. „Diese vertrauensbildenden Maßnahmen waren nötig. Jetzt sehe ich die Wahrscheinlichkeit für eine Zustimmung bei 95 Prozent“, sagte Rainer Hipp vom Landessportbund Baden-Württemberg. Diskussionen gibt es neben der Stimmverteilung noch um den Namen des neuen Verbandes. Aber kaum jemand glaubt daran, dass die Fusion daran scheitern wird. „Am Ende muss jeder Landessportbund selbst abwägen, wie er sich verhält“, resümiert Wienholtz. Vielen, so war in Mainz zu hören, ist mittlerweile die Fusion wichtiger als der eigene Machtanspruch.

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