Kaum noch Sport in der Ostukraine : Die großen Klubs fliehen

Nicht nur Schachtjor Donezk, Achtelfinal-Gegner des FC Bayern in der Champions League, hat das Krisengebiet verlassen. Stadien wurden zerstört und geplündert, die Separatisten wollen Teams neu gründen, die Militärs Sport verbieten.

Daria Meschtscheriakowa
Die Ostukraine wird zur sportlichen Diaspora.
Die Ostukraine wird zur sportlichen Diaspora.Foto: Imago

Professioneller Sport in der Ostukraine? Das war einmal. Seit im Mai Separatisten Donezk und Luhansk okkupierten, herrscht in dem Gebiet mit großer Sporttradition Tristesse. Zuerst flüchteten die Fußballmannschaften aus dem Krisengebiet. Drei Klubs aus Donezk – Schachtjor, Metalurg und Olympik – zogen nach Kiew. Soria, die Mannschaft aus Luhansk, hat die Stadt Saporischschja als neue Heimat gewählt. Aber Sorja musste in der Europa League nach Kiew ausweichen, weil Saporischschja nicht weit genug entfernt von dem Krisengebiet liegt.

Schachtjor, das im Achtelfinale auf den FC Bayern trifft, muss ebenfalls zwischen Wohn- und Spielort pendeln. Die Spieler leben und trainieren in Kiew, spielen aber in Lwiw. Das Kiewer Olympiastadion ist auch sehr groß und modern, wurde aber schon von Dnipro Dnipropetrowsk für die Europa League besetzt. Außerdem ist diese Arena Heimat von Schachtjors Erzfeind Dynamo Kiew. Deswegen spielt das Team aus Donezk in der Lwiw Arena. Das ist insofern merkwürdig, weil Lwiw und Donezk während des Krieges verschiedene politische Standpunkte vertraten. Trotzdem besuchen die Fans aus Lwiw die Spiele von Schachtjor lieber als die ihrer Heimmannschaft Karpaty. Ein Grund dafür ist, dass die Champions League zuvor stets einen großen Bogen um Lwiw gemacht hat.

Alle anderen Athleten sind unter meist chaotischen Umständen aus der Ostukraine geflohen. Sportministerium und Nationales Olympisches Komitee halfen mit Wohnungen aus. Einige wohnten in Hotels, andere in dem Olympiastützpunkt in der Nähe von Kiew. Es gab auch Athleten, die bei Verwandten unterkamen oder eine Wohnung mieteten. Dreisprung-Weltmeisterin Olha Saladuha flüchtete etwa nur mit der notwendigsten Habe samt Familie aus Donezk und musste sich eine Zweizimmerwohnung mit ihrem Trainer teilen. „In Donezk hatte ich alles, aber jetzt bin ich obdachlos. Mein Haus dort hat eine Granate getroffen“, sagte Saladuha. Der ehemalige Sportminister Dmitri Bulatow hat versprochen, ihr zu helfen. Andere Sportler müssen sich um sich selbst kümmern.

Die Militärs verkündeten, Sport solle in der Region nicht mehr existieren

Gleichzeitig hat die neue Regierung in der Ostukraine versucht, neue Fußballmannschaften zu schaffen. Obwohl die Militärs vor Ort schon verlauten ließen, dass Sport in der Region nicht mehr existieren solle. Im November wollten Aktivisten aus Donezk eine „echte“ Schachtjor-Mannschaft gründen, weil das existierende Team die Heimat aus ihrer Sicht verraten hat und in die Ukraine gezogen ist. Außerdem sollte ein Team namens „Junger Neurusse“ ins Leben gerufen werden. Beide Projekte scheiterten, weil kein Geld für Sportentwicklung vorhanden ist und es noch keine Möglichkeiten gibt, mit anderen Teams zu spielen. Außerdem wurde fast die ganze Infrastruktur in diesen Volksrepubliken zerstört.

Eines der besten und teuersten Stadien in Europa, die „Donbas Arena“ in Donezk wurde während der Kämpfe schwer beschädigt. Die Schäden belaufen sich auf mehr als eine Million Dollar. Seit Mitte August hat sich die Arena zu einer humanitären Zentrale von Rinat Achmetow verwandelt.

Der Donezker „Druschba-Sportpalast“, in dem noch im März der Franzose Renaud Lavillenie den zwanzig Jahre alten Hallenweltrekord von Sergei Bubka im Stabhochsprung überbot, wurde von Separatisten zu Beginn des Krieges ausgeplündert und dann in Brand gesteckt. Unversehrt ist lediglich die Anlage „RSK Olimpijskyj“ geblieben. Dort fanden letztes Jahr die Leichtathletik-Jugendweltmeisterschaften statt. Das Stadion „Awangard“ in Luhansk wurde von einer Mine getroffen. Vor drei Jahren musste die heimische Fußballmannschaft Sorja schon einmal ausweichen – weil der Rasen wiederhergestellt werden sollte. Nun ist dieser Rasen zusammen mit den Tribünen zerstört. Daran wird sich in naher Zukunft auch nichts ändern. Keiner der neuen Abgeordneten möchte dafür Geld investieren. Es gibt dringendere Probleme in diesen trostlosen Tagen in der Ostukraine. Daria Meschtscheriakowa

1 Kommentar

Neuester Kommentar