Sport : Kaviar ist immer gut, nicht aber Fußball (Kommentar)

Johannes Taubert

Kann sich noch einer an die Zeit erinnern, in der der Kassenwart nach Spielschluss mit seinen Angestellten die Einnahmen zählte, um sie dann mehr oder weniger stolz seinem Vereinsboss auszuhändigen? Die Zuschauer waren die einzige Einnahmequelle für den Verein, und Fußball war Sport.

Die Champions League sollte der sportlich wichtigste Wettbewerb im europäischen Vereinsfußball sein. Aber er trickst sich selbst aus. Oder ist es etwa sportlich, wenn der FC Bayern mit einer B-Mannschaft in Kiew aufläuft und Hertha BSC zum traurigen Abschluss auch noch seine wenigen Stars lieber warm anzieht, als sie in kurzen Hosen ins Spiel zu schicken. Geld gibt es ja trotzdem reichlich. Allein durch schlichte Anwesenheit. Wie beim FC Bayern in Kiew. Die Uefa zahlt Antrittsgeld für jede einzelen Partie. Dabei ist es dann auch egal, wer die Trikots durchs Stadion trägt. Hauptsache, man ist in Mannschaftsstärke vor Ort. "Die Champions League wird aus finanzpolitischer Sicht auch in Zukunft zur Notwendigkeit", sagt Bayern-Vize Karl-Heinz Rummenigge, der den Modus der Verunstaltung miterfunden hat.

Nun ist es aber so, dass wir Zuschauer selten mit finanzpolitischer Sicht auf der Tribüne oder vor der Glotze sitzen. Den Vereinen kann man es nicht verdenken, dass sie das Geld mitnehmen. Frei nach Peter Ustinov: "Der Kaviar ist ja da, und deshalb muss er auch gegessen werden."

Gleichwohl ist Kaviar immer etwas Gutes, was man über die Champions League nicht unbedingt sagen kann. Schließlich spielt ja nicht immer Bayern I gegen Real Madrid, und das noch in einem Spiel, in dem es wirklich um was geht.

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