Sport : Kebab – nur 1,99

Die schönsten Anekdoten und Legenden zur Tour de France

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1904: Der Franzose Maurice Garin ist Kettenraucher, schätzt guten Rotwein – und die Bahn. Um Kräfte zu sparen, ist der Vorjahressieger in einen Zug gestiegen, berichtet ein Bauernjunge und verpfeift ihn bei der Turnierleitung. Garin wird später disqualifiziert. Die Liebe zur Bahn teilt er mit seinem Landsmann Payan, der gleich fünf Mal entspannt im Zugabteil gesessen haben soll. Nun, sonderlich fair ging es damals eh nicht zu: In den Städten dreschen Zuschauer auf die Fahrer ein und verteilen 125 Kilo Nägel.

1913: Ein schlimmes Jahr. Von 140 Radfahrern kommen nur 25 ins Ziel, einer von ihnen ist der Franzose Eugene Christoph. Er liegt mit 18 Minuten in Führung, doch dann bricht ihm auf den Pyrenäen die Vorderradgabel. Was nun? Servicewagen mit Ersatzrädern gibt es nicht, fremde Hilfe ist sowieso verboten. Also trägt Christoph sein Fahrrad ins nächste Dorf, das 14 Kilometer entfernt liegt, sucht die Dorfschmiede auf und bastelt Stunden an seinem Rad. Drei Minuten Strafe bekommt er später aufgebrummt, weil ein Junge beim Schweißen den Blasebalg getreten hat. Am Ende erreicht Christoph das Ziel in Paris mit vier Stunden Rückstand.

1950: Der Algerier Abdel-Kader Zaaf liegt betrunken unter einem Baum. Wie kam es dazu? Bei einem Ausreißversuch will Zaaf unter keinen Umständen anhalten, um Wasser zu trinken. Stattdessen schnappt er sich beim Fahren zwei Flaschen Weißwein von einem Restauranttisch. Folge: Na klar, Zaaf ist fahruntüchtig und legt sich schlafen. Als er wach wird, schnappt er sein Fahrrad – und radelt in die falsche Richtung.

1951: Ach ja, die hübschen Schweizer. Da gab es den Toursieger Hugo Koblet, genannt: „Pédaleur de Charme“. Seine Sonnenbrille steckte cool im Haar, ein feuchter Schwamm in der Hose, um sich frisch zu machen. Als er im Städtchen Agnes kurz vor der Ziellinie ist, jubelt er nicht etwa – sondern zückt seinen Kamm, um gestylt ins Ziel zu rollen.

1999: Mit Farbe pinseln die Zuschauer auf die Straße: „Vive la France“. Und: „Go, Armstrong, go“. Völlig normal … doch was ist das? „DÖNER KEBAB“, steht da plötzlich in fetten, weißen Buchstaben auf dem Asphalt. „NUR 1,99 MARK“. Irritationen, Kameraschwenk, dann kommen ein paar Fans von Hertha BSC ins Bild. Sie lachen.

2002: Nur noch wenige Meter, das Ziel ist nah, der Spanier Pedro Horillo liegt in Führung. Da! Er reißt die Arme hoch, jubelt – und von hinten brettert Badley McGee vorbei. Die Fans lachen. Horillo hatte an einem Zebrastreifen gejubelt. Das „Playboy“-Magazin nennt ihn deshalb „Depp des Radsports“. AG

Viele lustige und spannende Anekdoten sind im Buch „100 Jahre Tour de France“ nachzulesen, jetzt erschienen im Delius Klasing Verlag, 2003, in Zusammenarbeit mit der ARD, Preis: 29,90 Euro.

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