Kehraus in Berlin-Köpenick : Personelle Konsequenzen beim 1. FC Union

Es läuft nicht rund beim 1. FC Union. Die Sportliche Leitung zieht deswegen Konsequenzen und baut die Mannschaft um. Vier Spieler sollen den Verein verlassen, zwei von ihnen haben allerdings noch langfristige Verträge.

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Patrick Kohlmann, Adam Nemec, Marc Pfertzel und Baris Özbek (von links) werden mit Union wohl nichts mehr feiern.
Patrick Kohlmann, Adam Nemec, Marc Pfertzel und Baris Özbek (von links) werden mit Union wohl nichts mehr feiern.Foto: Imago

In Köpenick schien am Dienstagvormittag die Sonne, als Nico Schäfer mit einem Stapel von Geschäftspapieren die Haupttribüne im Stadion An der Alten Försterei betrat. Vielleicht hatte der Sport-Geschäftsführer des Fußball-Zweitligisten 1. FC Union in seinen Unterlagen schon jene Pläne dabei, von denen nach der Nachmittagseinheit Baris Özbek und Angreifer Adam Nemec in Kenntnis gesetzt wurden.

Die beiden Fußballer waren in der ersten Halbserie noch Stammspieler. In den vergangenen Wochen wurden sie aber nicht mal mehr in den Kader berufen. Nun sollen sie den Verein vorzeitig verlassen, am besten schon in der Sommerpause. Dabei besitzen sie gültige Arbeitspapiere bis 2016. „Klare Worte sind für alle Seiten das Beste, deshalb haben wir Baris Özbek und Adam Nemec aufgefordert, sich neue Vereine zu suchen“, wurde Schäfer in einer Pressemitteilung des Vereins zitiert.

Der Kehraus in Köpenick ist nach einer enttäuschenden Rückrunde in vollem Gange. Seit Dienstag ist zudem klar, dass die auslaufenden Verträge der verdienstvollen Verteidiger Marc Pfertzel und Patrick Kohlmann nicht verlängert werden. Der Franzose Pfertzel hat mit dem Ligakonkurrenten SV Sandhausen bereits einen neuen Arbeitgeber gefunden.

Auch Trainer Neuhaus braucht Erfolgserlebnisse

Trainer Uwe Neuhaus versucht seinen Kader umzubauen, nachdem diesem offensichtlich die Qualität für den Aufstieg in die Erste Bundesliga fehlt. Bereits am Dienstagvormittag hatte er seinen Spielern Konsequenzen angekündigt, auch in personeller Hinsicht. Dass er in den Fällen von Özbek und Nemec noch am selben Tag zur Tat schritt und dies unionuntypisch auch noch ad hoc kommunizieren ließ, setzt auch andere vermeintliche Wackelkandidaten unter Druck. Schäfer kündigte schon an, dass die Überprüfung des Kaders nicht abgeschlossen sei. Auch Neuhaus selbst rückt nun stärker in den Blickpunkt. Nach nur einem Sieg in den jüngsten neun Begegnungen braucht er in den letzten drei Saisonspielen Erfolgserlebnisse, um Ruhe beim Neuaufbau zu haben.

Der Vertrag mit Nemec war gerade erst bis 2016 verlängert worden

Die Freigaben für Özbek und Nemec sind auch ein Eingeständnis für Fehleinschätzungen bei Union. Özbek war bei seiner Verpflichtung im Januar 2013 ein Wunschspieler von Neuhaus und Schäfer. Beide kannten ihn als Jungprofi aus gemeinsamen Essener Zeiten. Sie ließen sich von seinem Engagement bei Galatasaray Istanbul blenden, obwohl er nach seiner Verletzung bei Trabzonspor fast ein Jahr lang keine Spielpraxis hatte.

Adam Nemec hatte in der vergangenen Spielzeit nach längeren Anlaufproblemen neun Treffer erzielt. Als er in dieser Serie in den ersten sechs Partien vier Tore machte und wieder in die slowakische Nationalelf berufen wurde, begannen die Verhandlungen über eine Vertragsverlängerung. Als der Kontrakt vor viereinhalb Monaten bis 2016 verlängert und auch noch eine beiderseitige leistungsbezogene Option bis 2017 vermeldet wurde, nahm die Formkrise von Nemec längst Konturen an. Nun steht eine teure Trennung bevor.

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