Sport : Kein Colt für alle Ziele

Weil Peyton Manning verletzt ist, wird der Super Bowl in Indianapolis wohl ohne das Heimteam stattfinden

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Bruchlandung. Ohne Quarterback Peyton Manning hat Indianapolis mit Receiver Reggie Wayne den Saisonstart verpatzt. Foto: dapd
Bruchlandung. Ohne Quarterback Peyton Manning hat Indianapolis mit Receiver Reggie Wayne den Saisonstart verpatzt. Foto: dapdFoto: dapd

Berlin - Ein letztes Mal noch zuckte Peyton Manning zusammen, dann wich die Hoffnung aus seinem Gesicht und verwandelte sich in Enttäuschung. Wieder hatte es die Offensive seiner Indianapolis Colts nicht geschafft, die erforderlichen Yards Raumgewinn zu überbrücken und so wechselte das Angriffsrecht zu den Tampa Bay Buccaneers, die anschließend keine Probleme mehr hatten, ihren 24:17-Sieg zu sichern.

In der vergangenen Saison hätte dieses Resultat noch für Verwunderung gesorgt in der National Football League (NFL). Damals war es Manning, der sein Team als Quarterback gewohnt souverän durch die Vorrunde in die Play-offs führte. In Tampa Bay saß Manning hinter einer dicken Glasscheibe und verfolgte das Geschehen aus der Loge. Über Kopfhörer war er mit der Bank verbunden und verständigte sich mit den Trainern über die Auswahl der Spielzüge. Manning wollte so wenigstens etwas Einfluss auf das Spiel nehmen – allein es half nichts. Ohne ihren verletzten Star sind die Colts höchstens die Hälfte wert, das wurde gegen Tampa erneut deutlich. Und Besserung ist nicht in Sicht.

Seit sich Peyton Manning im Januar einer Nackenoperation unterzog, konnte er kein Spiel mehr bestreiten. Eigentlich sollte der 35-Jährige zum Saisonstart im September wieder fit sein, doch es traten Komplikationen auf. Den Auftakt gegen Houston verpasste Manning – zum ersten Mal nach 13 Jahren und 227 Spielen in Folge musste er aussetzen. Später stellte sich heraus, dass Manning wohl die komplette Spielzeit ausfällt. Ohne den Kapitän verlor Indianapolis alle vier bisherigen Spiele. Dabei waren die Gegner mit Ausnahme der Pittsburgh Steelers nur Ligadurchschnitt. Für Jim Irsay, den Besitzer der Colts, eine Katastrophe. In dieser Saison findet das Endspiel der NFL, genannt Super Bowl, in Indianapolis statt. Drei Jahre ist es her, da bekam der Klub vom Staat Indiana ein neues, hochmodernes Stadion. Siebzigtausend Menschen finden darin Platz, sie alle sollten mitansehen, wie die Mannschaft um Peyton Manning herum als Krönung einer der erfolgreichsten Phasen der Klubgeschichte noch einmal den Super Bowl gewinnt. Dazu sollte es Konfetti in den Farben der Colts regnen. Eine gigantische Party in Blau und Weiß, so hatte es sich Irsay erhofft. Und mit ihm auch die NFL, schließlich hätte eine Finalteilnahme der Colts die Einnahmen rund um das Super-Bowl-Wochenende in die Höhe schnellen lassen. Einen Ausfall von Manning hatte dagegen niemand eingeplant.

Nach der Niederlage gegen Tampa Bay, üben sich die Spieler in Durchhalteparolen: „Die Saison ist noch nicht zu Ende. Solange wir an uns glauben, ist es nicht vorbei“, sagte Dwight Freeney. Der Offensive End stand bereits auf dem Feld, als Indianapolis zum bisher letzten Mal den Super Bowl gewann. Das ist inzwischen fünf Jahre her und Freeney weiß ganz genau, dass die Mannschaft ohne ihren Anführer Peyton Manning verloren ist. Seit 1998 spielt Manning für die Colts, in dieser Zeit verpasste der Klub nur zweimal die Play-offs, zuletzt 2001. Manning hält diverse Rekorde, es gibt nicht wenige, die in dem ältesten Sohn des früheren NFL-Quarterbacks Archie Manning den besten Footballspieler aller Zeiten sehen.

In Indianapolis diskutieren die Fans nun eifrig darüber, ob man die Saison nicht bereits abschenken und es mit dem Gewinnen nicht mehr so ernst nehmen sollte. Auch, weil es in der Geschichte der NFL nur den San Diego Chargers 1992 gelungen ist, nach vier Niederlagen zum Auftakt noch die Play-offs zu erreichen. Je mehr Spiele die Colts verlieren, desto größer sind die Chancen, im kommenden Jahr einen talentierten Nachwuchsspieler verpflichten zu können. Für viele Beobachter ist die verfehlte Personalpolitik des Klubs in den vergangenen Jahren Schuld an der jetzigen Krise. Geblendet von den überragenden Leistungen Mannings hätte man es verpasst, ein schlagkräftiges Team um ihn herum aufzubauen.

In einer Stellungnahme der Indianapolis Colts zu Mannings Gesundheitszustand heißt es: „Peyton befindet sich in einem komplizierten neurologischen Heilungsprozess, dessen Ende unabsehbar ist.“ Das Ende der Colts-Ära ist dagegen absehbar..

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