Sport : Kein Esprit, drei Punkte

Bayer Leverkusen gewinnt auch nach mäßiger Leistung gegen Borussia Mönchengladbach

Erik Eggers

Leverkusen. Das fünfte Heimspiel gewonnen und die Tabellenführung zurückerobert, aber bei den Zuschauern herrschte, weil sie keine neuerliche Gala erlebt hatten, fast ein wenig Missstimmung. Klaus Augenthaler machte das wenig aus. „Ich habe das Gefühl, dass wir uns schon für einen solchen Sieg entschuldigen müssen“, sagte der Trainer von Bayer Leverkusen nach dem hart erkämpften und am Ende etwas glücklichen 1:0 (0:0) gegen Borussia Mönchengladbach. Augenthaler wollte nicht einstimmen in diesen Chor der Unzufriedenen, die an diesem Abend spielerischen Esprit vermisst hatten. „Auch solche Siege gibt es“, sagte Bayers Trainer, „und ein 1:0 sind nun einmal auch drei Punkte.“

Dabei hatte seine Mannschaft in der ersten Halbzeit ihre technischen Möglichkeiten sogar angedeutet. Nach längerer Anlaufphase legte speziell Franca seinem Mitspieler Robson Ponte einige Bälle glänzend vor. Aber der scheiterte in der 15. Minute mit einem Weitschuss aus 20 Metern, und sechs Minuten später traf er aus 14 Metern nur den rechten Außenpfosten. Insgesamt aber hielt die organisierte Gladbacher Abwehr den Angriffen des hochgelobten Leverkusener Sturm verblüffend gut stand; lediglich Schneider kam nach einem Solo noch zu einem Weitschuss (27.), den Torhüter Stiel sicher hielt. Und die Gladbacher waren sogar selbst gefährlich. Doch Joonas Kolkka scheiterte, nach einem Fehlpass Juans, an Jens Nowotny, als er auf den in der Mitte stehenden Arie van Lent spielen wollte.

Das Bild änderte sich sogar grundlegend, als Schneider in der 49. Minute nach Vorlage von Bastürk vom rechten Strafraumeck aus das 1:0 erzielte. Dieses Tor brachte dem Leverkusener Spiel keine Sicherheit. Im Gegenteil: Immer wieder rannten sich die technisch versierten Angreifer Franca und Ponte fest, und auch die sonst flüssigen Kombinationen kamen nur noch selten zu Stande. Mönchengladbach hingegen setzte sich immer häufiger in der Leverkusener Hälfte fest, auch weil sich, wie Augenthaler hinterher giftig anmerkte, „meine Offensivspieler am Ende auf meine vier Defensivleute verlassen haben“. Aber sowohl Joris von Hout scheiterte in der 64. Minute mit einem Kopfball aus fünf Metern völlig freistehend am reaktionsschnellen Torwart Jörg Butt. Und den Kopfball Asanins nach Ecke von Korzynietz in der 89. Minute kratzte Bernd Schneider noch von der Linie und rettete damit den Sieg.

Dass dem Tabellenvorletzten aus Gladbach hinterher von allen Seiten eine gute Leistung attestiert wurde, konnte dessen Trainer Holger Fach trotzdem nicht zufrieden stimmen. Nicht nur er hatte ein Spiel gesehen, „dass wir nicht verlieren mussten, aber davon können wir uns auch nichts kaufen“. Noch drastischer drückte es sein angefressener Torwart Stiel aus. „Wenn du hier raus gehst und alle klopfen dir auf die Schulter, dann muss ich kotzen“, sagte Stiel. „Mir ist es lieber, ich werde hier ausgepfiffen und gehe mit drei Punkten nach Hause.“

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