Sport : Kein ewiger Sieger

Michalczewski in seinem 49. Profi-Boxkampf erstmals besiegt

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Hamburg (Tsp). Zunächst dröhnten die hämmernden Akkorde der Rockgruppe Survivor durch die mit mehr als 15 000 Zuschauern ausverkaufte Color Line Arena in Hamburg. Zu „Eye of the Tiger“ stürmte Dariusz Michalczewski zum WMFight um den Titel der World Boxing Organization (WBO) gegen den starken Mexikaner Juan Cesar Gonzalez in den Ring. Der ungeschlagene Michalczewski wollte mit seinem 49. Erfolg mit dem bisherigen Rekordhalter Rocky Marciano (USA) gleichziehen. Der Italo-Amerikaner, der 1969 bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kam, hatte seine Karriere 1956 beendet. Zwischen 1947 und 1955 bezwang er die gesamte Schwergewichts-Elite seiner Zeit, darunter auch Joe Louis.

Es wurde nichts aus dem Vorhaben Michalczewskis, mit Rocky Marciano gleichzuziehen. Der Halbschwergewichtler kam mit Gonzalez selten zurecht, war schon früh durch die Wunde bei einem unbeabsichtigten Kopfstoß des Herausforderers gehandikapt und verlor über zwölf Runden nach Punkten. 116:112 für Gonzalez werteten die Punktrichter aus den USA und Kanada, 115:113 für Michalczewski hieß es beim deutschen Punktrichter . „Ich habe gefightet wie ein Mexikaner. Michalczewski hat eine Menge nehmen müssen“, sagte der neue Weltmeister.

Gonzalez gilt als einer der derzeit besten Halbschwergewichtler. In 35 Profi-Kämpfen hat der in Kalifornien lebende 27-Jährige lediglich einmal gegen den damaligen Dreifach-Weltmeister Roy Jones Jr. nach Punkten verloren. 22 Kämpfe gewann er vorzeitig.

Gestern war der Druck für Michalczewski noch größer als sonst. Der Rekord stand an. „Dieser Kampf ist etwas ganz Besonderes, weil es um Geschichte geht“, hatte Michalczewski vor dem Kampf gesagt. „Ich freue mich besonders darüber, dass es in Hamburg ist. Hier fing alles an.“ Anfang der Neunzigerjahre hatte er Polen verlassen. Er nahm die deutsche Staatsbürgerschaft an, wurde Europameister bei den Amateuren und dann Profi in Hamburg. Seinen ersten Kampf als Berufsboxer bestritt er am 16. September 1991. In Hamburg bezwang er Frederik Porter durch Technischen K. o. in der zweiten Runde. Es war der erste von 39 vorzeitigen Siegen. Nur drei Jahre später, im September 1994, wurde er Weltmeister der WBO im Halbschwergewicht – wieder war es in Hamburg. Er schlug den Amerikaner Leeonzer Barber nach Punkten.

In Hamburg erlebte er aber auch die bisher schlimmste sportliche Stunde. Im August 1996 taumelte er im ersten Treffen mit Graciano Rocchigiani hilflos durch den Ring, chancenlos gegen den glänzend eingestellten Publikumsliebling. Nach einem Nachschlagen des Berliners in der siebenten Runde kämpfte er nicht weiter. Rocchigiani wurde später disqualifiziert – der Makel aber blieb stets an Michalczewski haften, obwohl er den Rückkampf Jahre später deutlich für sich gestalten konnte.

Michalczewski hatte mit seiner Unterschrift unter einem Profivertrag vor zwölf Jahren auf eine fast sichere Medaille bei den Olympischen Spielen in Barcelona verzichtet, die Chance zum sozialen Aufstieg im Beruf Boxen ließ er sich aber nicht entgehen.

Gestern wurden seine Grenzen von Gonzalez deutlich aufgezeigt. Am Urteil gab es nichts zu rütteln.

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