Sport : Kein Geld, kein Erfolg

Trainer Bert van Marwijk kämpft in Dortmund um seinen Ruf und gegen Mehrheitsaktionär Florian Homm

Richard Leipold[Dortm]

Manchmal gleicht die Bundesliga einem Gebrauchtwagenhandel, so etwa wenn ein profilierter Trainer wie Bert van Marwijk bei Borussia Dortmund anheuert, ohne sich ausreichend über den Zustand seines neuen Klubs informiert zu haben. „Als ich hier herkam, wusste ich, dass es einen Motorschaden gibt. Dass er aber so groß ist, wusste ich nicht“, sagt der 52 Jahre alte Fußball-Lehrer, der mit Feyenoord Rotterdam einst (gegen Dortmund) den Uefa-Pokal gewann.

Van Marwijk wirkt wie ein Autokäufer, dem seine Vertragspartner allerlei Mängel verschwiegen haben, der manches aber selbst hätte erkennen können, hätte er nur genauer hingeschaut. Der Motor, das Getriebe, die Reifen, überall zeigen sich Defekte, nicht erst seit der Pilot gewechselt hat. In seiner aktuellen Verfassung käme das Vehikel, das van Marwijk steuert, kaum durch den TÜV. Statt wie geplant durchzustarten unter die ersten fünf, sieht van Marwijk sich ständig in die Defensive gedrängt. Es gehe nur noch „ums Überleben“, sagt er und meint damit nicht nur die wirtschaftliche Schieflage des Klubs. Vor dem letzten Spiel der Vorrunde trennen nur drei Punkte die Borussia von einem Abstiegsplatz.

Stars wie Rosicky, Koller oder Dedé spielen auf rätselhafte Weise unter Form. Dennoch fühlt van Marwijk sich von ihnen nicht (mehr) im Stich gelassen. „Wenn wir jedesmal so spielen wie zuletzt gegen Schalke, kommen wir unten raus.“ Heute müssen die Dortmunder beim Vorletzten Hansa Rostock antreten. Der neue Vereinspräsident hat van Marwijk wiederholt das Vertrauen ausgesprochen, auch nach der Heimniederlage gegen Schalke wieder. Der Niederländer könne „in Ruhe weiterarbeiten, auch über die Winterpause hinaus“, sagt Reinhard Rauball. „Er ist ein professioneller Mensch, stark im Training, gut in der Ansprache. Es gibt kein Trainerthema.“

Öffentlich ist van Marwijk bisher nur von Florian Homm, dem neuen Mehrheitsaktionär der börsennotierten Borussia in Frage gestellt worden. Der Fondsmanager hatte vorgeschlagen, van Marwijk durch einen Mann wie Uwe Rapolder von Arminia Bielefeld zu ersetzen. Rauball wies den sportlich eher unbedarften Investor in die Schranken. Homm entschuldigte sich schriftlich. Van Marwijk zeigte sich wehrhaft: „Ich lasse mich von Herrn Homm nicht wegschicken.“ Vor Leuten, die glaubten, mit Geld alles kaufen zu können, habe er „keinen Respekt“. Homm kann sich vom Geld seiner Anleger immerhin einen Bundesligaverein kaufen, die Borussia indes kann sich nichts mehr leisten, schon gar keine neuen Profis von Rang und Namen wie etwa van Marwijks Schwiegersohn Mark van Bommel vom PSV Eindhoven. Auch insofern ist van Marwijk desillusioniert und flüchtet sich in Sarkasmus. Ob der Klub in der Winterpause neue Spieler verpflichte? „Klar“, antwortet der Trainer, „Zidane wird kommen und van Nistelrooy.“

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