Sport : Kein Halten für das Eishockey Fouls werden in der DEL ab heute härter bestraft

Claus Vetter

Berlin - Die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft spielte in Unterzahl. Es ergab sich ein Konter. Der Kölner Lasse Kopitz lief mit einem Kollegen auf das Tor der Slowaken zu. Kopitz traktierte einen Gegner mit dem Schläger, damit sein Mitspieler unbedrängt auf das Tor schießen konnte. Doch das verhinderte ein Schiedsrichterpfiff. Kopitz musste auf die Strafbank. Zuvor legte er sich schulterzuckend mit dem Unparteiischen an. Nach dem Motto: Ein bisschen mit dem Schläger den Gegner bearbeiten, ist doch in Ordnung – und ist in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) lange Jahre kaum bestraft worden. Im November, beim Nations-Cup in Hannover, wurde es bestraft – denn das fordert die internationale Regelauslegung, der sich die DEL nun anschießt. Es soll bei den Aktionen Haken, Halten und Behinderung keine Toleranzgrenze mehr geben.

Es sind keine neuen Regeln, die in der DEL ab heute angewandt werden sollen. Es geht um die konsequente Umsetzung bestehender Vorschriften. Eine robuste Sportart wird gezähmt: Das Image vom Prügelsport hat Eishockey seiner Vergangenheit zu verdanken. Wer heute in der DEL etwa die Handschuhe auszieht, um einen Boxkampf anzugehen, wird schon seit Jahren hart bestraft – im Normalfall mit Spielausschluss. Keilereien sind so zur Ausnahme geworden. Nun sollen auch die versteckten Fouls verschwinden. In der nordamerikanischen Profiliga NHL ist die genaue Regelauslegung schon seit Saisonbeginn erfolgreiches Gesetz: Das Spiel ist dynamischer geworden, es fallen mehr Tore und die Stadien sind voller den je. Europäische Ligen ziehen nun nach. Pierre Pagé, Trainer der Berliner Eisbären, die heute die Kassel Huskies empfangen (19 Uhr 30, Sportforum) hatte schon lange darauf hingewiesen, dass in der DEL zu viel toleriert wird. „Es gab Spiele, da habe ich mehr als 30 Situationen beobachtet in denen Haken und Halten nicht bestraft wurden“, sagt er. „Es war Zeit, dass die DEL durchgreift.“

Das Durchgreifen gestaltet sich aber nicht reibungslos und hat bereits in den jüngsten Wochen in der DEL für Konfusion gesorgt. Mancher Schiedsrichter pfiff schon nach der neuen Auslegung, mancher nicht. Der Deutsche Eishockey-Bund bat daher seine Schiedsrichter zu ausgedehnten Schulungen. Holger Gerstberger, Schiedsrichterbeauftragter der DEL, ist optimistisch, dass die neue Linie auch ankommt: „Je enger der Raum für eine Entscheidung gesetzt wird, desto weniger Spielraum habe ich als Schiedsrichter.“ Allerdings sieht Gerstberger unabänderliche Probleme. „Der Sport ist immer schneller geworden, die Arbeit des Schiedsrichters somit schwieriger.“ Fehler seien programmiert. „Ich habe mit einem erfahrenen NHL-Schiedsrichter gesprochen. Der hat mir gesagt, dass seine Fehlerquote bei Entscheidungen bei 30 Prozent läge – und das würde die Liga tolerieren.“ Natürlich werde es bei der neuen Regelauslegung zu „Schwierigkeiten kommen“. Allerdings erwarte er auch, dass im Interesse der Sportart beim „Gewöhnungsprozess“ alle mitziehen. „Kürzlich hat sich ein Trainer bei mir beschwert, ein Schiedsrichter habe seiner Mannschaft durch eine Hinausstellung in der ersten Spielminute das Herz genommen. So etwas ist natürlich Quatsch.“

Es sei auch an den Spielern, dazuzulernen, sagt Gerstberger. Denn ein Schiedsrichter soll auch einem in Unterzahl agierenden Team nichts durchgehen lassen. Bislang waren die Unparteiischen in solchen Situationen oft nachsichtig – schon beim Nations-Cup war es nicht mehr so. Lasse Kopitz und sein Team bekamen es zu spüren. Der kleinen Strafe von Kopitz folgte die große Strafe: In 3:5-Unterzahl kassierte Deutschland ein Gegentor. Immerhin haben Kopitz und Kollegen nun Zeit, sich in der DEL an die neue Regelauslegung zu gewöhnen, bevor ein wichtiger Einsatz im Nationalteam bevorsteht: Bei den Olympischen Spielen in Turin sollen nämlich die Schiedsrichter nach der neuen Regelauslegung die Spiele leiten.

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