Sport : Kein Kinderkram

Kroos und Podolski überragen beim 5:1 der Bayern

Michael Neudecker[München]

Jimmy Calderwood, ein stattlicher Mann Mitte fünfzig, hat am Donnerstagabend vermutlich einen neuen Rekord aufgestellt. Er hat gezeigt, wie man innerhalb von 90 Minuten ein Höchstmaß an Kalorien verbrennen kann. Wild die Arme durch die Luft schleudernd, fluchend, das lichte Haar raufend, so lief er während des Uefa-Cup-Rückspiels ständig zwischen dem FC Bayern München und Aberdeen an der Seitenlinie auf und ab. Schließlich musste der Trainer vom FC Aberdeen auch mit ansehen, wie seine Mannschaft vergeblich versuchte, nach dem 2:2 im Hinspiel vielleicht doch ins Achtelfinale aufzurücken. Doch Bayern war zu gut und gewann 5:1 (2:0) und spielt nun im Achtelfinale gegen den RSC Anderlecht.

Schon kurz nach dem Anpfiff in der restlos ausverkauften Arena mit 66 000 Zuschauern führten die Münchner ein paar feine Tricks vor, wobei besonders Lucio und Altintop als spontane Künstler hervortraten. Wirklich erstaunlich war das nicht, man weiß ja aus den längst vergangenen Tagen des Saisonstarts, dass die Bayern so etwas können. Erstaunlicher war vielmehr, welche Akteure das diesmal versuchen durften: Trainer Ottmar Hitzfeld ließ Miroslav Klose und Philipp Lahm auf der Bank, ebenso den angeschlagenen Bastian Schweinsteiger, Zé Roberto stand nicht einmal im Kader. Stattdessen liefen etwa Andreas Ottl, Lukas Podolski und Toni Kroos auf. Kroos galt von den spielenden Reservisten die größte Aufmerksamkeit: Schließlich ist er ja das Münchner Talent schlechthin, der 18-Jährige, dem sie alles zutrauen. Auf der nach oben offenen Kroos-Skala von gut bis großartig lag Toni Kroos diesmal zwar lediglich irgendwo in der Mitte – doch gut war allemal gut genug für Aberdeen. „Er ist ja jetzt volljährig, da darf man ihn auch mal loben“, sagte Manager Uli Hoeneß und fuhr fort: „Er hat die Hoffnungen erfüllt, die wir in ihn gesetzt haben.“

Kroos war auch maßgeblich an den ersten beiden Treffern beteiligt. Zunächst wurde er in der zwölften Minute alleine aufs Tor zustürmend gefoult, beim folgenden Freistoß legte er auf für Lucio, der den Ball mit roher Gewalt ins Tor drosch. Dann trat Kroos den Ball von der Seite mit unerhörtem Effet in den Strafraum, van Buyten nutzte das per Kopf aus. Das 3:0 und das 4:0 schließlich besorgte der überaus agile Lukas Podolski, Mark van Bommel erzielte den fünften Treffer. Podolski hat somit schon vier Tore im Uefa-Cup erzielt. Das ist erstaunlich, denn in der Bundesliga hat er in dieser Saison noch nicht getroffen.

Aberdeens Trainer Jimmy Calderwood stand in den letzten Minuten regungslos an der Seitenlinie, die Hände in den Taschen seiner Anzughose vergraben. Er war machtlos, das zwischenzeitliche 1:4 bedeutungslos. Ottmar Hitzfeld dagegen stand nur selten auf, er musste das auch nicht. Seine Personalrochaden, die noch vor wenigen Monaten zu heftigen Mathematik-lastigen Diskussionen geführt hatten, gingen diesmal auf. „Wir brauchen 15, 16 Spieler, die regelmäßig zum Einsatz kommen“, sagte er, „da muss man auch mal ein Risiko eingehen.“

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