Sport : Kein Konkurrent in Sicht

Ole Einar Björndalen holt bei der Biathlon-WM seine zweite Goldmedaille

Helen Ruwald[Hochfilzen]

Ganz allein lag Ole Einar Björndalen am Schießstand, kein Konkurrent war in Sicht. Der Norweger traf viermal, dann verschoss er. Ärgern musste er sich deshalb allerdings nicht. Als er in der Strafrunde 150 Meter zusätzlich zurücklegte, blieb der Schießstand leer, so als sei Björndalen der einzige Teilnehmer des Verfolgungsrennens über 12,5 Kilometer bei der Biathlon-Weltmeisterschaft in Hochfilzen. Erst als er die Extrarunde absolviert hatte, erreichte ein Pulk von Kontrahenten den Schießstand. Doch sie kämpften bei dieser zweiten von vier Schießübungen nur noch gegeneinander. Auch als Björndalen das dritte und vierte Mal alleine am Schießstand war, traf er beim letzten Versuch nicht. Norwegens Trainer Roger Grubben hatte dafür nur ein Lächeln übrig. Er wusste, dass der überragende Athlet dieser Saison nicht mehr einzuholen war. Der 30-Jährige gewann mit 39,2 Sekunden Vorsprung auf den Russen Sergej Tschepikow seinen zweiten WM-Titel binnen zwei Tagen, Dritter wurde Sven Fischer.

Bis zur WM trat der fünffache Olympiasieger Björndalen zu 13 Weltcuprennen an – achtmal siegte er, nie war er schlechter als Sechster. Vor einem Jahr bei der WM in Oberhof hatte er in den Einzelrennen dreimal Bronze gewonnen, Raphael Poirée war mit drei Goldmedaillen der überragende Sportler. Diese Rolle nimmt jetzt Björndalen ein. Stark in der Loipe ist der Norweger ohnehin, war aber zu schlagen, wenn er zu oft in die Strafrunde musste. Doch darauf können die Konkurrenten derzeit nicht spekulieren. „Ich habe noch nie so viel geschossen wie vor dieser Saison“, sagte Björndalen, „die guten Resultate habe ich eigentlich erst fürs nächste Jahr erwartet.“ Dann sind die Olympischen Winterspiele in Turin.

Die Zusammenarbeit mit einem neuen Schießtrainer hat sich bereits jetzt ausgezahlt. Björndalen liegt im Gesamtweltcup auf Rang drei – obwohl er zu sieben Rennen gar nicht angetreten ist. In dieser Zeit legte er das Gewehr zur Seite und versuchte sich als Langläufer. „Ich brauche neuen Antrieb.“ Schon bei den Olympischen Spielen 2002 war er im Langlauf über 30 Kilometer Fünfter geworden und hatte anschließend im Biathlon vier Goldmedaillen geholt. Bei der Nordischen Ski-WM in Oberstdorf sollte nun eine Langlauf-Medaille folgen. Doch Björndalen war nicht ganz fit und wurde bei seinem einzigen Auftritt Elfter. Selbst die Qualifikation für die Staffel verpasste er, die ohne ihn, aber mit Biathlet Lars Berger Weltmeister wurde. Björndalen hatte ein großes Ziel verfehlt, doch er haderte nicht lange. Wenige Tage später trat er nach vierwöchiger Biathlon-Pause beim Weltcup in Pokljuka an und tat das, was er in dieser Saison ständig tut: Er siegte.

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