Sport : Kein Mikrofon für Funk

Die Eisbären lassen ihren Ex-Manager nicht ins Fernsehen

Claus Vetter

Berlin. Mit unerwünschten Gästen ist das so eine Sache. Wird ihnen allzu eindeutig zu verstehen gegeben, dass auf ihre Anwesenheit kein Wert gelegt wird, dann können sie schon mal sauer werden. So ist wohl die Posse zusammenzufassen, die sich zwischen Lorenz Funk und den Eisbären abspielt. Der Klub aus der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) möchte nicht, dass Funk, Präsident der viertklassigen Capitals, ins Sportforum Hohenschönhausen kommt. Der ehemalige Eisbären-Manager könnte ja etwas Schlimmes über seinen einstigen Arbeitgeber sagen. Und das auch noch vor einer Fernsehkamera, am Sonntag während der Pause der Partie zwischen den Eisbären und den Nürnberg Ice Tigers (Beginn 14.30 Uhr). Da wollte Premiere nämlich im Rahmen seiner Liveübertragung der Partie Funk für ein Interview vors Mikrofon bitten. Unerhört, muss sich jemand bei den Eisbären gedacht haben. Die Angst vor drohendem Imageschaden hat Klub-Sprecher Moritz Hillebrand dazu bewogen, dem Sender nahe zu legen, den Lenz nicht ins Studio zu lassen.

Dabei hatte alles harmlos begonnen. Vor knapp zwei Wochen hatte Funk sein Comeback auf dem Eis für den 12. Januar beim Spiel der Capitals gegen Weißwasser angekündigt. Der Ex-Nationalspieler ist 55 Jahre alt, bringt 130 Kilo auf die Waage. Also nicht mehr als ein werbewirksamer Gag, der die Capitals ins Gespräch bringen soll. Vor einigen Tagen hat sogar Premiere einen Film gedreht, der Funk beim Training zeigt. Das vom Sender als „Schmankerl“ angekündigte Werk soll Sonntag als Pausenfüller beim DEL-Spiel im Sportforum laufen. Nun aber verspürte Eisbären-Sprecher Moritz Hillebrand keine Lust auf den Auftritt des Ex-Managers: Die Idee, dass das Filmchen um Funk noch mit einem Live-Interview garniert wird, fand er „nicht glücklich“. Hillebrand rief bei Premiere an, gab zu verstehen, „dass wir den Capitals keine Plattform geben wollen“. Denn: „Funk hätte etwas Negatives über die Eisbären sagen können.“

Premiere lud Funk aus. Natürlich habe die Entscheidung beim Sender gelegen, sagt Hillebrand. Funk sieht es anders. „Die haben rumgedruckst, mir gesagt, meine Sicherheit sei gefährdet.“ Eine überraschende Erklärung, schließlich hat Funk im Sportforum noch viele Freunde aus alten Zeiten. „Oberpeinlich ist das“, findet er.

Nun gut, die Aktion „keine Plattform für Funk“ ist den Eisbären misslungen. Funk nutzte die sich unerhofft bietende Bühne zum medienwirksamen Stänkern. Schließlich darf es überraschen, dass sich ein erfolgreicher Erstligist wie die Eisbären in die Niederungen Berliner Eishockey-Kiezgezänks begibt. Sozusagen ein Rückfall in alte Zeiten, als die Capitals noch erstklassig waren. Damals wurde zwischen den Berliner Klubs oft heftig debattiert – aber nie ausgeladen. Das ist neu.

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