Sport : „Kein Neid auf Millionäre“

Ökonom Ottnad über die Steuern der deutschen Fußballprofis

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Herr Ottnad, Bundesfinanzminister Hans Eichel will die Nacht und Feiertagszuschläge für Fußballprofis abschaffen. Ist das gerecht?

Gerecht nicht, aber notwendig. Die Diskussion wird leider falsch geführt. Es wird nur über den Neid auf die Millionäre geredet und nicht darüber, ob Steuersubventionen im Allgemeinen etwas nützen oder nicht.

Und, nützen sie was?

Aus meiner Sicht macht es keinen Sinn, auf Kosten der Steuerzahler bestimmte Berufsgruppen finanziell zu entlasten. Egal ob eine Krankenschwester oder einen Fußballer.

Aber warum soll ein Arbeitnehmer nicht dafür entschädigt werden, dass er nachts arbeitet?

Das kann der Arbeitgeber gerne tun. Aber das muss nicht die Allgemeinheit zahlen. Soll doch die Vereinsführung von Borussia Dortmund mit ihren Angestellten ein höheres Gehalt aushandeln, wenn die Profis dieser Meinung sind.

Derzeit zwingt die Dortmunder Vereinsführung ihren Profis aber Gehaltskürzungen auf.

Mit Verlaub, das rührt mich nicht zu Tränen. Alle müssen verzichten. Warum nicht auch Fußballprofis? Und gerade in dieser Branche sind in den vergangenen Jahren die Gehälter explodiert. Dass es nach der Kirch-Krise zu Korrekturen kommt, ist völlig normal.

Das klingt jetzt wieder nach Neid …

Nein. Es geht hier nur um ein vertretbares unternehmerisches Risiko. Natürlich leisten Profis etwas Besonderes, die Nachfrage nach ihrer Dienstleistung ist hoch. Außerdem sind Spieler einem hohen Verletzungsrisiko ausgesetzt. All das rechtfertigt hohe Gehälter. Aber wenn der Erfolg des Vereins ausbleibt und es finanzielle Einbußen gibt, dann schlägt das auch auf die Gehälter nieder.

Geschieht das den Sportlern recht?

Man sollte die Debatte nicht moralisch führen, sondern rein ökonomisch. Sportler sind keine schlechteren Menschen, nur weil sie mehr verdienen und Steuerschlupflöcher nutzen wie andere auch. Vorausgesetzt natürlich, sie tun das auf legale Weise.

Die Fragen stellte Robert Ide.

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